„, Gelbe Vögel trag ich aus, gold'ne Vögel bring ich z'Haus"Die Vogelhändler von Imst
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Ähnlich dem Vogelfänger fand auch der Vogel-händler aus Imst Eingang in die Literatur undauf die Bühne. Das zeigt, welch große Bedeu-tung der Vogelhandel einst in Tirol hatte. Durchden Rückgang des Bleibergbaues waren die Be-wohner gezwungen, sich nach neuen Erwerbs-möglichkeiten umzusehen. Man verfiel auf denHandel mit Kanarienvögeln, deren Nützlichkeitman als Warner vor Gefahren im Bergwerkschätzen gelernt hatte. Voraussetzung für denflorierenden Handel, der die Imster durch ganzEuropa führte, war ein professionell betriebenerVogelfang beziehungsweise die Vogelzucht. Inihrem Angebot befanden sich sowohl heimischeSingvögel als auch Kanarienvögel.
Die Heimat des Kanarienvogels sind die Kana-rischen Inseln, von wo ihn die Spanier auf denKontinent mitbrachten. Von Spanien aus ver-breitete sich der„, Serinus canaris", der„, kana-rische Girlitz", im Verlauf des 16. Jahrhundertsauch in andere europäische Länder. Wegenihrer besonderen Gesangesbegabung und ihrerFähigkeit, Stimmen nachzuahmen, waren dieKanarienvögel als Stubenvögel sehr begehrt.Das führte zu einer intensiven Kanarienvogel-zucht, die in Imst bis heute betrieben wird.
Um den Vögeln die entsprechenden Melodienbeizubringen, mussten die Züchter täglich stun-denlang mit ihnen üben. Dazu verwendete mansogenannte ,, Gesangkästen". Sie bestanden auszahlreichen kleinen Vogelsteigen, die mittelseiner Tür verschlossen werden konnten. Öffneteder Züchter eine solche, musste der Vogel zusingen beginnen. Zur Einübung des Gesangsbediente man sich sogenannter Vogelorgelnoder Serinetten, von denen sich noch manchein Museen erhalten haben.
Mit dem Aufblühen desVogelhandels im 17.Jahrhundert kam es zurTrennung zwischen demeigentlichen Händler,
der die Geschäfte von zuHause aus lenkte, und denVogelträgern, die bepacktmit zahlreichen Käfigen
und einer großen Zahl an gefiederten InsassenStädte und ferne Länder bereisten. Sie mussteneinen entsprechenden Ausweis bei sich führen.Auf ihren Reisen hatten die Imster oft gefähr-liche Abenteuer zu bestehen und es gab immerwieder Opfer zu beklagen.
Die Vogelhändler waren geachtet und welt-offen. Um ihren Verkaufserfolg zu steigern,wussten sie ihr Tirolertum zu betonen. Siewaren in einer Zunft vereinigt, die seit Endedes 17. Jahrhunderts existierte. Die Zunftübernahm die Organisation von Fang, Aufzuchtund Handel. Ihr Tinzltag fand und findet nochimmer nach alter Ordnung am 1. Sonntag imDezember statt. Der Auszug der Vogelhändlerim August war sehr feierlich. Wenn der ersteVogelhändler im Herbst des darauffolgendenJahres heimkehrte, wurde eine Kerze angezün-det, die so lange brannte, bis der letzte Händlerim Dorf war.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zueinem Niedergang des Vogelhandels. Der ver-heerende Brand von 1822, der den gesamtenOrt vernichtete, besiegelte das einst blühendeGewerbe, das Imst Weltruf einbrachte und denVogelhändler zu einer Identitätsfigur werdenlieẞ.
Vogelfänger aus Imst, um 1930
Imster Vogelhändler bei einem Festumzug, ca. 1925
Ausstellung der Imster Voglerzunftim alten Eggerbräu, 1934Voglerzunft Imst