Geschichte des Vogelhandels
Abgesehen vom vermeintlichen medizinischen Nutzen hielt man Singvögel vor allem zur Freude undAbwechslung als Hausgenossen. Man schätzte sie wegen ihres farbenprächtigen Gefieders und ihresGesangs als Unterhalter und Ansprechpartner.
Die Domestizierung von Vögeln ist seit der Antike bekannt. Ihr Besitz war bei allen Gesellschafts-schichten beliebt. Ein Freund gekäfigter Singvögel war z.B. Kaiser Maximilian I., der zur Pflege sei-ner Sänger eigene Vogelwarte beschäftigte. Auch in Wien standen die Stubenvögel hoch im Kurs. 109Aeneas Silvius Piccolomini, der Wien 1444 besuchte, schreibt:„ Der Bürger Häuser sind hoch und ge-räumig... die Vögel singen in den Stuben." Oder bei Bonfin, einem ungarischen Hofhistoriographen,der in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts über Wien berichtet, heißt es: ,, In den Sälen und Sommer-stuben halten sie so viele Vögel, daß der, so durch die Straßen zieht, wohl wähnen möchte, er seyinmitten eines grünen lustigen Waldes." Und zur Zeit W. A. Mozarts liest man bei Ludwig Röder: ,, DieWiener, besonders die Frauenzimmer, sind außerordentliche Liebhaber von Singvögeln... In allenFenstern hängen schöne Käfige mit Nachtigallen, Kanarienvögeln, Gimpeln, Amseln, Lerchen undanderen Singvögeln,..."
Gehalten wurden Kreuzschnäbel, Gimpel, Stieglitze, Zeisige, Kohlmeisen, Steinrötel, Seidenschwän-ze, Goldhähnchen, Rotkehlchen, Rotschwänzchen, Mönchsgrasmücken, Dorndreher, Hänfling, Bach-stelzen und Tauben. Papageien, Paradiesvögel, Sittiche und Kanarienvögel waren höher gestelltenDamen vorbehalten. Tipps für die Pflege entnahm man einschlägiger Literatur. Erwerben konnte mandie gefiederten Hausgenossen bei den wandernden Vogelhändlern oder am Markt. In Wien befandsich der Vogelmarkt zur Zeit Mozarts in der Habsburggasse entlang der Stallburg. 1787 wird von18 Vogelkrämern berichtet. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Markt jedoch aufgelöst.Ersatz boten die Taubenmärkte, später die Vogelhandlungen.