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Fangmethoden und Fanggeräte
Um der Vögel habhaft zu werden, bedientensich die Vogelsteller verschiedener Methoden.Diese richteten sich nach der Art der späterenVerwendung, ob tot für den Speisezettel oderlebendig für die Stubenhaltung, ob in Massenoder als Einzelexemplare. Genaueste Naturbe-obachtung und Kenntnis der Fluggewohnheitenwie der Verhaltensweisen der Vögel waren injedem Fall eine wichtige Voraussetzung.
Lockvogel
Wichtig waren gute Lockvögel. Sie wurdendas Jahr über in kleinen Käfigen gehalten undan das Singen im Freien gewöhnt. Um sie vonder Umgebung nicht abzulenken, wurden siefrüher oft mit glühendem Eisendraht geblendet( ab 1870 verboten).
Die Lockvögel wurden auch getäuscht, indemsie im Frühjahr in abgedeckten Käfigen ge-halten und ihnen die Federn gerupft wurden.Wenn diese bis zur Fangzeit im Herbst wiedernachgewachsen waren und die Lockvögel ansLicht kamen, meinten sie, es sei Frühling undbegannen zu singen. An Stelle der Lockvögelverwendete der Vogelsteller auch Lockpfeifen.Ein wichtiger Gehilfe des Vogelstellers war derSteinkauz, gemeinhin als Wichtel bezeichnet.Die Wichteln wurden gezähmt und an eineFuẞfessel gewöhnt, die der Vogelsteller inseinem Versteck in der Hand hielt. Wenn er andem Band zog, flatterte der Wichtel auf und
zog
die Aufmerksamkeit der Kleinvögel auf sich.Es wurden aber auch Singvögel angebunden. Dasie nur aufflattern sollten, wenn der Vogelstelleram Faden zog, gab es grausame Methoden,
sie am Fliegen zu hindern. Diese sogenannten,, Ruhrvögel" wurden besonders bei Vogelherdeneingesetzt.
Schlagfallen
Mit dem sogenannten„ Schlagl" konnten dieVögel lebendig gefangen werden. Sie musstendazu mit Hilfe von Futter in die Schlagfalle ge-lockt werden, um selbst den Fallmechanismusin Gang zu setzen.
P.164.
Blenden des Lockvogels
P.324.
Lockvogel und Schlagfalle
Abb. aus Vollständiges Jagd- und Weydbüchlein/ Von dem Vogelstellen/... von Conradt Aitinger, 1681