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Papageno backstage : Perspektiven auf Vögel und Menschen ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 20. Mai bis 29. Oktober 2006]
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Geschichte des Vogelfangs

Bildliche Quellen bezeugen, dass der Vogelfang bereits in der Antike ausgeübt wurde. Schon damalskamen alle bekannten Fangmethoden zur Anwendung, auch war die Vogelhaltung in Käfigen üblich.Dass der Vogelfang im Mittelalter eine beliebte Tätigkeit darstellte, untermauern etwa die Bei-namen von König Heinrich I.( 876-936), den man den Finkler" oder Vogler" nannte, weil ihm beider Ausübung des Vogelfangs die Nachricht über die Königswürde überbracht wurde, und jener desMinnesängers Walther ,, von der Vogelweide". Auch Oswald von Wolkenstein ging, wie er selbst 1418schreibt, dieser Liebhaberei nach. Bekannt ist, dass Kaiser Maximilian, der ein passionierter Jägerwar, mehrere solcher Vogeltennen und auch Vogelhäuser( Volieren) besaß, in denen er die Vögel denWinter über hielt und sich an ihrem Gesang erfreute.

In der Barockzeit gestaltete sich der Vogelfang zum gesellschaftlichen Schauspiel, an dem sogarweibliche Zuschauer in entsprechender Entfernung teilnehmen konnten. Über den Lerchenfangschreibt W. H. Hohberg: Ist eines von den schoensten, lustigsten und nuetzlichsten Weidwercken,...,gehoeret nur fuer die Herrschaften, und wierd gemeinen Leuten, ob sie schon den Lerchenfang inbestand hatten, nicht erlaubt, die darauf gehenden Unkosten verbieten ihnen solches auch vorhin."Der Vogelfang zählte zur Niederen Jagd, und wurde daher in beschränktem Ausmaß auch dem ge-meinen Volk gestattet. Meist standen die Vogelsteller aber in den Diensten der Adeligen. Darausentwickelte sich ein eigenes Gewerbe. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts verlor der Vogelfang seineehemalige Bedeutung.

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