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Vögel als Heilmittel
Vögel galten seit der Antike als Schutz- undAbwehrmittel gegen Dämonen. Vor allem wurdeihnen heilkräftige Wirkung zugeschrieben. Deshalbhielt man Vögel im Haus und hängte die Käfigeüber der Tür oder über dem Krankenbett auf.Das Verhalten der Vögel am Krankenbett wurdeals Orakel gedeutet. Blickte der Vogel vom Kran-ken weg, galt das als Todeszeichen, schaute er ihnan, wurde er gesund. Dafür musste der Vogel ster-ben. Man glaubte, Vögel könnten die Krankheit ansich ziehen. Im Mittelalter sprach man dem Vogel,, Chaladrius"(= Caradrius/ Goldregenpfeifer) dieFähigkeit zu, die Gelbsucht an sich zu ziehen.Alte Handschriften zeigen den„, Chaladrius" aufdem Krankenbett, wie er den Kranken anschautoder sich von ihm abwendet oder wie er mitseinem Schnabel die Krankheit aus dem Munddes Patienten zieht. Später hielt man auch anderegelbe Vögel, etwa den Zeisig oder den Kanarien-vogel für fähig, die Gelbsucht an sich zu ziehen.Die Berührung des Vogels beziehungsweiseKontakt mit Federn galt als heilsam. Eine Federetwa vom Kreuzschnabel unter den Polster gelegt,sollte die Fraisen, aber auch Zahn- und Kopf-schmerzen vertreiben. Auch dem Fleisch und denEiern der Vögel schrieb man Heilkraft zu. Wach-teleier verwendete man bei Potenzschwäche undzur Vermehrung der Brustmilch. Den Kot der Stareund Spatzen setzte man gegen Masern, vor allemaber gegen Hautunreinheiten und auch gegenSommersprossen ein. Taubenmist wurde gegenVergiftungen eingenommen. In der Volksmedizinkam auch das Trink- und Badewasser verschie-dener Vögel als Heilmittel zum Einsatz.
Sue is faluatur Baradno Sum Vilienaus
kaladzius
Der Vogel Kaladrius
Zieht mit seinem Schnabel die Krankheit aus dem
Mund bzw. wendet sich von dem Kranken abAbb. aus Concordantiae caritatis, StiftsbibliothekLilienfeld, Codex 151, nach 1350
Foto: Institut für Realienkunde Krems