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Vögel- Geschöpfe Gottes
Das Verhältnis des Menschen zu den Tierenwird von zwei ethischen Grundhaltungenbestimmt, von einer utilitaristischen und einerideellen. Beide beziehen ihre Motivation ausden heiligen Schriften, in denen dem Menschenaufgetragen wird, sich die Erde untertan zumachen und über die Vögel zu herrschen( Gen. 1,28), in denen er aber auch aufgefordertwird, die Vögel als Geschenk der Natur zumLobpreis Gottes zu betrachten( Psalm 8,9).Das rechtfertigte einerseits lange Zeit dierücksichtslose Tötung von Tieren, forderteandererseits aber einen geschwisterlichenUmgang und ihren Schutz.
Die Stubenvögel dienten dem Menschen zurErbauung und zur ästhetischen Bildung, aberauch als Gleichnis für ein gottgefälliges Leben.Volksfrömmigkeit ordnete die Vögel- frühereBegleiter von Göttern und Naturgeistern-Christus und der Gottesmutter zu, wodurchder Glaube an ihre segensreiche Ausstrahlunglegitimiert war.
Christus als Vogelfänger
Titelkupfer zu„, Ornithologia moralis perdiscursus praedicabiles" von Fortunatus Huber
Kupferstich von Johannes Schreiber
München, dat. 1678
Graphisches Kabinett Göttweig, o. Sign.
Christus sitzt in der Laube und fängt mit einemSchlagnetz Vögel und Menschen. Die Vögel stehen fürdie Seelen, die gerettet werden sollen.
Hausaltärchen
Barocker Altaraufbau, geschnitzt, gefasst
In der Mitte Jesus, Maria und Josef auf derWanderschaft, davor zwei Singvögel,auch auf dem Aufsatz zwei Vögel
Tirol, 18. Jahrhundert
ÖMV, Inv. Nr. 36.841