Druckschrift 
Papageno backstage : Perspektiven auf Vögel und Menschen ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 20. Mai bis 29. Oktober 2006]
Entstehung
Seite
79
Einzelbild herunterladen
 

Franz Grieshofer

Szenographie der Ausstellung

Papageno

backstage

Die Bühnenfigur des Papageno hatte seine Entsprechung im wirklichen Leben: die Vogelfänger.Diese entstammten der Unterschicht und standen meist im Dienst adeliger Herrschaften. DerVogelfang bildete ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage. Sie versorgten die höfischen Küchen wie 79auch die bürgerlichen Wohnstuben mit den begehrten Sängern. In ihrer Ursprünglichkeit zählten dieVogelsteller zusammen mit ihren Kollegen, den Vogelhändlern, bis zum Beginn des 19. Jahrhundertszu markanten Erscheinungen in Stadt und Land. Während sie nach und nach von der realen Bühnedes Lebens verschwanden, erlangten sie durch Oper und Operette eine unglaubliche Popularisie-rung.

Im Vogelfänger spiegelt sich die ambivalente Beziehung des Menschen zur Natur. Sie ist einerseitsgekennzeichnet durch ökonomische Ausbeutung, durch den Versuch ihrer grenzenlosen Unter-werfung und ihrer Bemächtigung durch Wissenschaft und Technik. Zum anderen zeigt sie sich alsästhetische Lust an der Landschaft, als sinnliche Erfahrung des Unzivilisierten oder eben als innig-liche Liebe zur Kreatur.

Somit verkörpert der Vogelfänger in Gestalt des Papageno ein Wesen, das in vielfältiger Weise diePhantasie der Menschen beflügelt. Er steht für Freiheit, Natürlichkeit und für die Sehnsucht nachLiebe, er findet sich gleichzeitig aber mit einer Welt der Vernunft und Aufklärung, sozialer Unter-schiede und Machtinteressen konfrontiert.