Vogelfang und
im
Stubenvogelhaltungsteirischen Salzkamm nergut
Peter Sackl
Aus: JagdGründe
Eine Spurensuche in obersteirischen RevierenHerausgegeben von Volker HänselSchriftenreihe des Landschaftsmuseums imSchloss Trautenfels am SteiermärkischenLandesmuseum Joanneum, Band 7Trautenfels 2005
ISBN 3-900493-59- X
Geb., 480 Seiten
1 Literaturüberblick bei Kuthy Ruth: Vogel-fang in Österreich- unter besondererBerücksichtigung des Salzkammergutes.Der Weg von kultureller Universalitätins out". Diplomarbeit, Univ. Wien1993. Rieder Walter: Schnåbö Heil!Singvogelfang und Singvogelhaltung imSalzkammergut. Salzkammergutverbandder Vogelfreunde, Gmunden 2002.
2 Kuthy, wie Anm. 1.
3 Geringer Helmut: Kaiser Maximilian I.als Jäger und die Jagd seiner Zeit.Dissertation an der Karl- Franzens-Universität Graz. Graz 1970.
Als regionales Relikt einer ursprünglich weit ver-breiteten Praktik hat die bis heute im steirischoberösterreichischen Salzkammergut erhal-tene Tradition des Klein- oder Waldvogelfangesmehrfach Eingang ins kulturhistorische undvolkskundliche Schrifttum gefunden. Besondersausführlich hat Kuthy² die Geschichte und Ent-wicklung des gesellschaftlichen Stellenwertesdes Vogelfanges im Salzkammergut behandelt.Hierbei ist der Fang heimischer Waldvögel, derbis heute als Jagd des kleinen Mannes" ver-standen wird, ursprünglich keineswegs auf denÖsterreichischen Alpenraum oder bestimmtesoziale Schichten beschränkt. Als überkommeneForm des Nahrungserwerbs wurde der Vogelfangbis ins 19. Jahrhundert in ganz Europa- und invielen Ländern Südeuropas bis in die Gegenwart- praktiziert.
Vögel als Jagdbeute und HeilmittelWährend der Fang größerer Vögel, wie Enten,Rebhühner oder Fasane, in Österreich bereits zurZeit der landesherrlichen Jagdhoheit zwischenca. 1500 und 1848 der Niederen Jagd( Reisge-jaid) zugeordnet wurde und damit vornehmlichdem Adel vorbehalten war, bildete für ärmere
Bevölkerungsschichten bis ins 19. Jahrhundertder Kleinvogelfang die einzige Möglichkeit, Kü-chenwildbret zu erbeuten. Vor der Ausweitungund Intensivierung der Viehwirtschaft spielteim Salzkammergut die Landwirtschaft nur eineuntergeordnete Rolle. Im dicht bewaldetenGrenzgebiet zwischen Salzburg, Oberösterreichund der Steiermark bildeten Salzbergbau undForstwirtschaft seit jeher die Haupterwerbs-zweige. So mag die Absicht, die Versorgung dergemeinen Landsleut" mit ausreichend Wildbretzu garantieren, mit ein wichtiges Motiv für einbereits 1579 von Kaiser Rudolf II. erlassenes Pa-tent gewesen sein, das den Brauch des Vogelfan-gens im Salzkammergut ausdrücklich erlaubte.Zur Zeit Kaiser Maximilians I.( 1459-1519) wares besonders das wohl schmeckende Fleisch ver-schiedener Finkenvögel, von Krammetsvögeln(= Wacholderdrossel), der anderen heimischenDrosseln, wie Amsel, Sing- und Misteldrossel,von Dorndreher( Neuntöter), Star, Schwalbenund Sperlingen, das zu Speisezwecken besondersgeschätzt wurde.3
Über die bloße Versorgung mit Wildbret hinauserlangte der Vogelfang aber bald auch aus wei-teren Motiven Bedeutung. Viele Vögel dientennicht nur als Nahrungsmittel, sondern spielten
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