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Papageno backstage : Perspektiven auf Vögel und Menschen ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 20. Mai bis 29. Oktober 2006]
Entstehung
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Vogelorgeln, Serinetten

und

mechanische Singvögel

Peter Donhauser

1 H. Swoboda: Der künstliche Mensch,München 1967, S. 34.

2 A. Buchner: Vom Glockenspiel zumPianola, Prag 1959, S. 15.

3 P. Schuhknecht: Mechanische Singvögel,Hannover 1977, S. 16.

4 The New Grove: Dicitionary of Music andMusicians, London und New York, 1980.

Die Entwicklung dieser liebenswürdigen Spie-lereien" ist im engen Kontakt mit der Entwick-lung von Automaten im Allgemeinen zu sehen.Waren doch die Antriebselemente wie Federn,Kurvenscheiben oder Stiftwalzen in allen üb-rigen Maschinen zu finden, die selbsttätig Mu-sik spielten, Teile bewegten oder gar Tiere undMenschen nachahmen sollten. Dabei kam esimmer wieder zu mehr oder minder gelungenenNachbildungen von Geräuschen oder Lauten bishin zu Versuchen mit künstlicher Sprache"( z.B.Wolfgang von Kempelens Mechanismus dermenschlichen Sprache"). Wahrscheinlich liegt esan der besonderen Art der Vögel, verschiedenstePfeiflaute zu Gesang" zu formen, dass es schonsehr früh( mindestens seit dem 9. Jahrhundertschriftlich belegt) Versuche gibt, mittels klei-ner Orgelpfeifen Vogelstimmen nachzuahmen.Die ersten Nachrichten über solche Automatenstammen aus dem Mittelalter: der Architektund Mathematiker Leo( nicht zu verwechselnmit dem oströmischen Kaiser Leo VI philoso-phos) soll für Kaiser Theophilos Ikonomachosum 835 in Byzanz einen, Thron Salomons" mitbeweglichen Tierfiguren und zwei Automatenmit künstlichen Bäumen und singenden Vögelngebaut haben. Bischof Liudprand( Luitbrand)

von Cremona will 968 ebendort am Hof des Sul-tans einen lebensgroßen Baum mit künstlichenVögeln gesehen haben, niedergeschrieben in sei-nem Werk Antapodosis". Konrad von Würzburgerwähnt einen künstlichen Baum aus Edelmetal-len aus der Zeit um 1250, auf dessen Zweigenkünstliche Vögel sangen und mit den Flügelnschlugen. In der Dietrichsage", die um 1300verfasst wurde, findet sich eine etwas genauereBeschreibung eines ähnlichen Automaten: Eineaus Gold gefertigte Linde trug auf ihren Ästenaus Rotgold gegossene, künstliche Vögel, derenPfeifen aus einem Balg durch 12 Röhren mit Luftversorgt wurden. Auf einer Tafel sei zu lesen gewe-sen: ,,... Er lis di sinen ruren die belge da zu hand,so sungen schon zu tische di vogel alle sant".3Vor allem während der Renaissance fand dieseArt von Automaten größere Verbreitung, alsowährend einer Zeit, in der die Mechanik zur,, Kunst" erhoben wurde. So verwundert es nicht,dass auch von Leonardo da Vinci berichtet wird,er hätte verschiedene Instrumente automati-siert. Für präzise Musikwiedergabe war aller-dings noch ein wesentlicher Fortschritt in derUhrmacherkunst nötig: Gleichmäßige Antriebewaren mit Wasser oder Sand, wie früher häufigin Uhren verwendet, nicht zu erzielen.

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