Druckschrift 
Papageno backstage : Perspektiven auf Vögel und Menschen ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 20. Mai bis 29. Oktober 2006]
Entstehung
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

Von Vögely undihren Häschern

in der Musik

Thomas Aigner

Oskar Laske

Vorhangentwurf ZauberflöteVolksoper 1939

© ÖTM

Ausgangspunkt dieser Betrachtungen ist natür-lich, dem Titel der Ausstellung folgend, die Figurdes Papageno aus der Oper Die Zauberflöte vonWolfgang Amadeus Mozart( s. Seite 144). DasWerk wurde am 30. September 1791 im heutenicht mehr existierenden Wiedner Theater ausder Taufe gehoben. Der Theaterprinzipal undTextdichter der Oper, Emanuel Schikaneder,spielte den Papageno; er hatte sich diese Rollewie gewöhnlich auf den Leib geschrieben. Siesteht in der Tradition des Hanswurst, der ko-mischen Figur des deutschsprachigen Volksthe-aters, so wie Die Zauberflöte als Ganzes demGenre des Wiener Volksschauspiels angehört.In jenen Werken, die als direkte Vorbilder derZauberflöte gelten, kommen zwar bisweilenebenfalls komische Figuren vor, nirgends aller-dings in Gestalt eines Vogelfängers. Schikanederwählte jedoch für die von ihm verkörperten Rol-len stets Typen, die beim Publikum bekannt undbeliebt waren, wie etwa den Gärtner Anton oderden Tyroler Wastel; also war die Festlegung aufden Vogelfänger sicherlich kein Zufall.Tatsächlich erschien zwei Jahre vor der Urauf-führung der Zauberflöte ein Singspiel unterdem Titel Der Vogelkrämer auf der Bühne. Überdieses Werk ist nur bekannt, dass die Musik von

Wenzel Müller( 1767-1835) stammt, der bereitszu Mozarts Lebzeiten als der ungekrönte Königdes deutschen Singspiels in seiner WienerischenAusprägung galt. Er schrieb ca. 250 derartigeWerke für das Leopoldstädter Theater; seine an-haltendsten Erfolge errang er nach dem WienerKongress mit den Bühnenmusiken zu drei Stü-cken Ferdinand Raimunds, Der Barometermacherauf der Zauberinsel, Die gefesselte Phantasie undDer Alpenkönig und der Menschenfeind sowiemit Aline, oder Wien in einem anderen Welttheilenach einem Text von Bäuerle.

Der Vogelkrämer war nicht das erste Werk, indem die im Titel genannte Figur im Zentrumsteht. Der spätere Hofkapellmeister und Be-gründer der Tonkünstler- Societät, Florian Leo-pold Gaẞmann( 1729-1774), der in VenedigMusik studierte, trat dort auch mit seinen ers-ten Opern hervor: Gli uccellatori[ Die Vogelfän-ger] hatte 1759 am Teatro San Moisè Premiere;das Libretto stammt von keinem Geringeren alsCarlo Goldoni. Das Werk trug dem Komponis-ten den ersten größeren Erfolg seiner Karriereein und wurde auf zahlreichen Bühnen südlichund nördlich der Alpen nachgespielt. Für dieProduktion in Turin( 1760) schrieb sogar JohannChristian Bach eine Ouvertüre. Im Herbst 1768

43