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Kurt Palm
Aus:
Kurt Palm:
,, Der Wolfgang ist fett und wohlauf".
Aus der Korrespondenz der Familie Mozart wis-sen wir, daß in den verschiedenen Wohnungenihrer jeweiligen Mitglieder mehr als 20 Jahrelang Vögel als Haustiere gehalten wurden. Dabeihandelte es sich sowohl um Kanarienvögel, alsauch um heimische Singvögel. Mozarts Briefeaus Italien lassen darauf schließen, daß es in derWohnung in der Getreidegasse zunächst einmaleinen Kanarienvogel gab. So bittet er am 19. Mai1770 seine Schwester, ihm zu schreiben ,,, wie esden H: Canari geht". In diesem Brief aus Neapelfragt er an anderer Stelle:„, singt er noch? pfeifter noch? weist du warum ich auf den Canaridencke? weil in unsern vorzimmer einer ist, wel-cher ein gseis macht wie unsrer."
Zweieinhalb Jahr später erwähnt Mozart ineinem Brief aus Mailand neuerlich einen Kana-rienvogel, wobei es sich vermutlich um dasselbewie zuvor erwähnte Exemplar gehandelt habenwird. An Nannerl schreibt er: ,, meine Empfehlungan unser schöne Nandl, und an den Canari Vogel,dan diese zwey und du sind die unschuldigstenin unserm hause."
Mit
Nandl" ist eine nicht näher bekannteDienstmagd der Familie Mozart in ihrer Woh-
Essen und trinken mit Wolfgang Amadé Mozart. nung in der Getreidegasse gemeint.Mit ihrer Vorliebe für Kanarienvögel lagen die
Löcker Verlag, Wien 2005
Mozarts ganz im Trend der Zeit, war es dochim Barock nicht zuletzt aufgrund der EinflüsseChinas und der Chinoiserien modern geworden,zu Hause exotische Vögel zu halten. Diese Mo-deerscheinung konstatierte auch Johann KasparRiesbeck, der in seinen„, Briefen eines reisendenFranzosen über Deutschland", dazu anmerkt:,, Viele Hofdamen kennen außer dem Bette keineandere Beschäftigung, als mit ihren Papageien,Hunden und Katzen zu spielen."
Irgendwann nach 1772 muß sich die Familieneben dem Kanarienvogel auch heimische Sing-vögel angeschafft haben, denn Anfang 1775fragt Nannerl in einem Brief aus München ihreMutter: ,, à propos lebet der canari, die maisen,und der Rothkropf noch, oder haben sie die vö-geln verhungern lassen."
Beim Rothkropf" handelt es sich um ein Rot-kehlchen, das im Salzkammergut noch heute als„ Rotkröpfl" bezeichnet wird.
Der Rotkropf taucht auch in der 11. Strophe desvon Ludwig Uhland gesammelten Volksliedes,, Vogelhochzeit" auf:
Der Stieglitz mit seinem Witz,der wollt die Braut ansingen;der Rotkropf mit seinem Kopf,der wär auch gerne drinnen.
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