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Papageno backstage : Perspektiven auf Vögel und Menschen ; [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 20. Mai bis 29. Oktober 2006]
Entstehung
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19 Ludwig Reinhardt: Kulturgeschichte derNutztiere, München 1912, S. 656.

20 Reinhardt 1912, S. 657.21 Vgl. Christoph Gasser: Vogelschutzzwischen Ökonomie und Ökologie.Das Beispiel der Sperlingsverfolgungen( 17-20. Jhrd.). In: Siegfried Becker undAndreas Bimmer( Hg.) Mensch und Tier.Kulturwissenschaftliche Aspekte einerSozialbeziehung, Marburg 1991(= Hessische Blätter für Volks- undKulturforschung; Bd. 27), S. 41-60.

vertilgung äußerst nützlichen und durch ihrenansprechenden Gesang uns lieben Vögel, diedoch keinen nennenswerten Nährwert haben,lieber am Leben und an ihrer nützlichen Arbeitin Wald und Feld. Anders die gefühlsrohen, nochvon der römischen Kaiserzeit an Blutvergießenund Tierquälerei nicht nur keinen Anstoß neh-menden, sondern sich vielmehr noch daranerfreuenden Romanen, die diese kleinen Leich-name gerupft, an dünnen Weidenruten aufgezo-gen auf den Markt bringen und ihren Volksge-nossen gegen geringes Entgelt zum Braten undVerspeisen mit einer Reis- oder Maisspeise ver-kaufen. Es ist eigentlich eine Schande, daß sol-che Leckerei in einem sonst so hochstehendenKulturstaate heute noch geduldet wird. 19Der Verzicht auf das köstliche Singvogelfleischwurde zum untrüglichen Indiz für den Zivilisa-tionsgrad von Gesellschaften. So ganz freilichging die Teilung in barbarische Glossar ::: zum Glossareintrag  barbarische und zivilisierteRegionen Europas nicht auf, wie denn auchLudwig Reinhardt einräumen mußte: Man soll-te meinen, jeder feinfühlige Mensch ziehe dieso nützliche lebende Lerche mit ihrem unsereAckerfluren belebenden und die Laut gewor-dene Poesie des Feldes darstellenden herrlichenGesang der gebratenen vor. Dies ist aber leiderdurchaus nicht der Fall. Sie wird heute auch beiuns in Menge gegessen, wenn auch ihr Konsumseit 1850 auf etwa den vierten Teil zurückging.Immerhin verbraucht Berlin deren noch 30.000,Wien 36.000 und Paris gar 1,500.000 jährlich. InFrankreich kamen um 1750 zuerst in Pithiviers,dem Safranzentrum, die Lerchenpasteten auf,denen sich in unserer Zeit die, Lerchen in Aspik'als eine Glanznummer des Frühstückprogrammsder Schlemmer neben der Gänseleber mit Trüf-feln hinzugesellten. Der deutsche Kaiser Wil-helm II. ist ein besonderer Verehrer dieser feinenBissen und die dazu nötigen Lerchen fangen undliefern ihm als besonderes Privileg die Hallorenin die kaiserliche Küche. Wenn solches nochbei uns an tonangebender Stelle geschieht, so ha-ben wir keine Ursache, den Romanen ihre Grau-samkeit und Herzlosigkeit vorzuwerfen, daß sie

solch edle Sänger einem so schändlichen Loseopfern! Auch die Tatsache, daß die Lerchen gutschmecken, entschuldigt nicht die Brutalität, diein ihrem Verspeisen liegt. 20

Von Gassenbuben und LumpenpackSo kamen Menschen und Vögel sich näher undnäher im Laufe der Zivilisationsgeschichte. StattNutzung und Bekämpfung regelten mehr undmehr Gefühle der Bewunderung und Liebe undVorstellungen des Schützens und Bewahrensdie Beziehungen. Aber nicht alle Arten kamen inden Genuß uneingeschränkter Sympathien undSolidarität. Nach wie vor gibt es unter den Ge-fiederten wie bei den Menschen eben- guteund schlechte Vertreter ihrer Art. Menschenbehandelten auch Vögel eben nie nach denGrundsätzen der Gleichheit. Manche wurden insakrosankten Rang erhoben und genossen gren-zenlose Verehrung. Wer den Storchen ein Jungesraube, so berichtet zumindest das Handwörter-buch des deutschen Aberglaubens, den ereileein Unglück. Überhaupt gibt der Storch einVorbild beispielhaften bürgerlichen Familien-lebens. Nicht nur wurde er stets der zärtlichenLiebe zu seinem Nachwuchs gerühmt. Auch inSachen Lebenswandel erschien er in reinstemmoralischem Lichte: Nicht nur nach schwä-bischem Volksglauben straften die Störchenämlich eheliche Untreue mit dem Tode.Andere aber, wie die Sperlinge, zogen blindenHass auf sich. Was den harmlosen Wesen nichtalles angedichtet wurde: der Hang zur Wollust,Gaunerei, Arbeitsscheu. Zu regelrechten Ver-nichtungsfeldzügen in den Sperlingskriegen" 21riefen nicht nur die Utilitaristen der Aufklärungauf, wie der Kameralist Johann Philip Breiden-stein, der dem Spatz 1779 mit seiner Natur-geschichte des Sperlings teutscher Nation eindickes Buch widmete. Auch Vogelschützer wieCurt Floericke verhehlten nicht ihre Antipathiengegen die gewieften Zivilisationsfolger: ,,, Gefie-derte Proletarier' nennt man sie ,, Gassenbuben'und, Lumpenpack', die etwas plump aussehenden

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