Veronika Plöckinger Stoob und sein Plutzer-Beobachtungen zur lokalen Identität einesburgenländischen Töpferortes
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MOWEL LANHOF
Willkommen
in
Stoob
Plutzer| obrovská krpka| Óriás méretű korsó
Fährt man heutzutage- um das Jahr 2004- in den mittel-burgenländischen Ort Stoob bei Oberpullendorf, stößtman gleich bei der Ortseinfahrt auf ein ungewöhnliches,riesiges Tongefäß auf einem Sockel mit der Aufschrift,, Willkommen in Stoob".
Diese Gefäßform begegnet einem auf dem Weg durch denOrt immer wieder- sei es als Dekorelement auf einemDachvorsprung des Gasthauses ,, Stoober Hof", auf Fest-plakaten, als Ankündigungstafel und sogar auf der Fahnedes Heiligen Florian an einer Hausmauer. Ebenso findensich bei einem Lokal, dem„, Café Plitzerl“, mehrere dieserGefäße über dem Eingang eingemauert.
In Stoob begegnen einem heute fünf Töpferei- und fünfOfenbaubetriebe- eine beträchtliche Anzahl, die allerdingsnicht mit der großen Zahl von rund 30 Haushalten zu ver-gleichen ist, die hier um 1900 von der Töpferei lebten.Stoob war und ist allerdings nicht der einzige Ort des Bur-genlandes, in dem Keramik hergestellt wird: Im Gebiet desheutigen Burgenlandes, dem ehemaligen Westungarn, exis-tierten aufgrund hervorragender und ausreichender Tonvor-kommen jahrhundertelang so genannte Töpferdörfer, in de-nen Irdenware oder Fayence hergestellt wurde, und kleineManufakturen in herrschaftlichem(= Esterházy'schem)*Besitz. Neben Stoob galten Rotenturm, Jabing, Großpeters-dorf, Pinkafeld, Neumarkt an der Raab und Königsdorfals Töpferdörfer. Die bekanntesten Weißhafnerorte warenOberpetersdorf und Kobersdorf. Tonwarenfabriken un-ter Esterházy'scher Verwaltung standen in Neudörfl an derLeitha, Mattersburg, Oberpetersdorf, Ritzing, Steinberg-Dörfl und in Stoob.
Die Ursprünge der Töpferei in Stoob( ungar. Csáva) werdenin der Literatur bereits um 1250 vermutet, tatsächliche Bele-ge für die Tätigkeit von Hafnern in Stoob gibt es jedoch erstaus dem 17. Jahrhundert. Die Gründe für die lokale Exis-tenz von Töpferei liegen einerseits im unzureichend frucht-baren Boden, weshalb die Versorgung der Kleinbauern mitGetreide nicht gewährleistet war. Andererseits verfügte dieGegend über ausgedehnte Tonvorkommen auf Stoober Ge-meindegebiet und Umgebung sowie über große Holzvorräte,die für die Brennöfen benötigt wurden.
Produkte und Vertrieb
Aus dem so genannten blauen und dem grauen Ton produ-zierten einige Stoober Töpfer Kochgeschirr( Töpfe, Schüs-seln, Teller, Zwillingstöpfe), die sie mit brauner oder grüner