Pessach
dauert sieben Tage. Dieses jüdische Frühlingsfest- ausdem das christliche Osterfest entstanden ist- gemahntan die Flucht der Israeliten aus der Gefangenschaft inÄgypten. Der plötzliche Aufbruch erlaubte denIsraeliten nicht, das Brot in gewohnter Weise zubacken, so dass als Wegzehrung nur ungesäuertes Brotmitgenommen werden konnte. Während der Pessach-Tage darf ein Jude also keinerlei gesäuerte Produkteessen oder trinken. Das ungesäuerte Brot, das Mazza,ist ein dünnes Fladenbrot, dessen" neutraler"Geschmack durchaus an seinen eilig zubereiteten undletztlich unfertigen Ursprung erinnert.
Am ersten Abend des Pessach- Festes wird in jederjüdischen Familie das große Festmahl, der Seder( hebr.:Ordnung) gefeiert. Seder ist nicht irgendein Essen, son-dern ein sich über mehrere Stunden erstreckendesfestes Ritual, bei dem alles was getan und gesprochen,was gegessen und getrunken wird, eine symbolischeBedeutung hat.
Auf der festlich gedeckten Seder- Tafel sind Speisenvorbereitet: drei Mazzen unter einem Tuch verborgen,sowie auf der Seder- Platte ein gebratener Hühnerhals-knochen( Siroah), ein hartgekochtes Ei( Beizah), einSellerieblatt oder bittere Kräuter( Maror), eine Kartof-fel oder Zwiebel( Karpas) sowie eine Art Obstsalat( Charoset) und natürlich Wein oder Traubensaft fürKinder. Die Namen dieser Speisen stehen auf vielender hier gezeigten Seder- Teller; einige haben auch Ver-tiefungen für jede Speise ausgeformt. Auf den kleinenTellern steht Hag ha- Pessach( Pessach- Fest). Auch dieKiddusch- Becher für den Wein verweisen durch ihreAusschriften auf dieses Fest.
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Die hier gezeigten Seder- Teller aus Fayence- wie auchdie Chanukka- Leuchter aus demselben Materialzählen zu den ganz großer Raritäten. Nur zwei ost-galizische Firmen( in Potylicz und Lubycza Krolewska)haben sie hergestellt und nur ganz wenige sind bisheute erhalten.
Das Familienoberhaupt zelebriert die Lesung der Hag-gada, der Pessach- Erzählung als tradierten Familien-Dialog: Kinder erhalten bestimmte festgeschriebeneRollen des neugierig Fragenden(" Warum ist dieseNacht anders als alle anderen?") und der Vater über-nimmt die Aufgabe des Rabbis, die Geschichte desAuszugs aus Ägypten zu vermitteln.
Seder- Teller für Pessach- Fest, Fayence, 2. Hälfte 19. Jh.
Mit dem Kiddusch wird der Wein gesegnet und zurück-gelehnt getrunken. Auch die Speisen werden vomFamilienoberhaupt gesegnet und an bestimmtenStellen der Lesung gereicht. Jede Speise ist ein Symbol.Die zum entsprechenden Text gebrochene Mazza zumBeispiel für die Teilung des Roten Meeres, dasSalzwasser in das man Ei, Kartoffel oder Sellerieblatttunkt, erinnert an die Tränen der Vorfahren. RituelleHandwaschungen des die Speisen und den Wein seg-nenden Vaters gehören ebenso zur Haggada wie Segenund Gebete, die von der ganzen Familie gesprochenwerden. Nachdem der zu Beginn der Haggada ver-steckte Teil der gebrochenen Mazza gefunden undsymbolisch als Pessach- Lamm gegessen wurde und dasvierte Glas Wein gesegnet und getrunken wurde, endetder Seder mit dem Versprechen:" Nächstes Jahr inJerusalem".
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