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Ur-Ethnographie : auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur ; die Sammlung Eugenie Goldstern
Entstehung
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In Wien versuchte vor allem Arthur Haberlandt die Intentionen der Ethno-graphie, der Anthropologie und der Urgeschichte zu verbinden. Angeregt durch seinenLehrer, den Prähistoriker Moritz Hoernes( 1852-1917), beschäftigte er sich mit,, Prähistorisch- Ethnographische( n) Parallelen". 1914 folgte seine Arbeit über Prä-historisches in der Volkskunst Osteuropas". Hier wird nicht nur die enge Beziehungzwischen der Urgeschichte und der Volkskunde dokumentiert, sondern auch die Aus-richtung der Sammeltätigkeit des Volkskundemuseums auf den Balkan unterstrichen.

In dem Bemühen, die Urzeit zu erschließen, begann man auch die Erkennt-nisse der vergleichenden Sprachwissenschaft heranzuziehen. Dazu sind die Sprach-atlanten zu zählen, mit Hilfe derer man an Hand von Bezeichnungen die Verbreitungbestimmter Gerätetypen feststellte, oder etymologische Ableitungen, mit denen mandie Lücken zwischen den rezenten Relikten und etwaigen fehlenden Artefakten ausder Urzeit schloss. Ihr wichtigster Vertreter war Rudolf Meringer( 1859-1931).

Er betrieb Studien zu Haus und Hausrat, die er in den Mitteilungen derAnthropologischen Gesellschaft in Wien veröffentlichte. Innerhalb der Gesellschaftwurde er zum Mentor der österreichischen Hausforschung. Seine 1909 gegründeteZeitschrift Wörter und Sachen" wurde zum Synonym für eine eigene Schule mit spe-zifischer Methode. Ihr sind zahlreiche technische Beschreibungen der( alpinen) Sach-kultur zu verdanken.

F.G.

Arthur Haberlandt( 1889-1964)

Sohn von Michael Haberland, unter dessenLeitung er bereits als Student ab 1908 imWiener Volkskundemuseum mitarbeitete. Von1924 bis 1945 Direktor des Museums. Studiumbei Moritz Hoernes, der ihn stark beeinflusste.Das zeigen seine frühen Arbeiten, in denen er Prähistorisch- Ethnograpische( n) Parallelenen"auf dem Balkan nachspürt. 1914 Habilitation mitdem Thema Prähistorisches in der VolkskunstOsteuropas". 1915/16 nahm er an einer histo-risch- ethnographischen Balkanexkursion teil.Die Ergebnisse dieser Forschungsreisen veröf-fentlichte er 1917 als KulturwissenschaftlicheBeiträge zur Volkskunde von Montenegro,Albanien und Serbien." In einem Ergänzungs-band der Zeitschrift für österreichische Volks-kunde. Als Frucht dieser Forschungs- undSammeltätigkeit erschien 1919 seine Monogra-phie über Die Volkskunst der Balkanländer".Aus seiner 635 Arbeiten umfassenden Biblio-graphie sei noch auf die Übersichtsdarstellung Die volkstümliche Kultur Europas in ihrergeschichtlichen Entwicklung" in BuschansVölkerkunde hingewiesen. Zuletzt gab er einzweibändiges Taschenwörterbuch der Volks-kunde Österreichs heraus.

Lit.:

Beitl, Klaus und Isac Chiva: Wörter und Sachen. Österreichische und deutsche Beiträge zur Ethnographie undDialektologie Frankreichs. Ein französisch- deutsch- österreichisches Projekt. Wien 1992(-ÖAW., Mitteilungendes Instituts für Gegenwartsvolkskunde, Nr. 20)

Curcic, Vejsil: Rezente Pfahlbauten von Donja Dolina in Bosnien. In: Zeitschrift für österreichische Volkskunde, XIX,1913, 78, 22 Textabb., 13 Tafeln

Haberlandt, Arthur: Prähistorisch- Ethnographische Parallelen. Dissertation, Braunschweig 1912

Haberlandt, Arthur: Prähistorisches in der Volkskunst Osteuropas. Sonderdruck aus Werke der Volkskunst, Bd. I,Wien 1913, 8, 7 Abb.,: Tafel

Haberlandt, Arthur: Volkskunde und Vorgeschichte. In: Jahrbuch für historische Volkskunde, Bd. I, Berlin 1925, 5-16,9 Abb.

Heinrich, Angelika: Vom Museum der Anthropologischen Gesellschaft in Wien zur Prähistorischen Sammlung im k.k.Naturhistorischen Hofmuseum( 1870-1876-1889-1895) In: Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien,Bd. 125/126, Wien 1995/96, 11-42, 4 Abb.

Hoernes, Moritz: Die Urgeschichte des Menschen nach dem heutigen Stande der Wissenschaft. Leipzig 1892Rütimeyer, Leopold: Über einige archaistische Gerätschaften und Gebräcuche im Kanton Wallis und ihre prähistori-schen und ethnographischen Parallelen. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde, 20. Jg., Basel 1916, 283-372.( FS. Eduard Hoffmann- Krayer)

Rütimeyer, Leopold: Weitere Beiträge zur schweizerischen Ur- Ethnographie aus den Kantonen Wallis, Graubündenund Tessin und deren prähistorischen und ethnographischen Parallelen. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde.22. Jg. 1918, 1-50, 4 Abb., 12 Tafeln

Stöcklin, Werner: Der Basler Arzt Leopold Rütimeyer( 1856-1932) und sein Beitrag zur Ethnologie. Dissertation,Basel 1961

Wörter und Sachen. Kulturhistorische Zeitschrift für Sprach- und Sachforschung. Hg. von Rudolf Meringer.Wilhelm Meyer- Lübke u.a., 1, 1909-22,1942

Rudolf Meringer( 1859-1931)

Nach dem Studium der Germanistik und ver-gleichenden Sprachwissenschaft( Promotion1882) habilitierte er sich in Berlin 1885 fürindogermanische Sprachen. Ab 1892 ao. Profes-sor in Wien, von 1899 bis 1930 0. Professor fürSanskrit und vergleichende Sprachwissenschftan der Universität Graz. Ehrenmitglied desVereins für Volkskunde und der Anthropo-logischen Gesellschaft. Neben seinen Sprach-studien gilt er als wichtiger Vertreter derVolkskunde und der methodischen Sach-forschung. Verdienste erwarb er sich besondersum die Hausforschung. Auf seine Initiative gehtdie Errichtung des Steirischen Volkskunde-museums zurück. 1909 gründete er die kultur-historische Zeitschrift für Sprach- und Sach-forschung Wörter und Sachen".

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Ur- Ethnographie