Die
Wissenschaft
vomMenschen
Ethnologie: Elementargedanken und Kulturkreise
Der biologische Evolutionismus, von Charles Darwin( 1809-1882) begründet,prägte die Forschung des 19. Jahrhunderts. Auch die Anthropologie und die Ethno-logie wurden davon nachhaltig beeinflusst. Wie ein Zweig der Evolutionslehre einFortschreiten vom niederen zum höheren Organismus propagierte, ordnete man auchdie Kultur in aufsteigende Entwicklungsstufen.
Ausgehend von dieser Grundannahme verfolgte besonders der Arzt undEthnopsychologe Adolf Bastian( 1826-1905) konsequent jenes Entwicklungsprinzip,nach dem der gegenwärtigen Kompliziertheit der Erscheinungen viele Stufen bis hinzu einer primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Einheit menschlicher Grundvorstellungen vorausgegangen seinmüßten. Unter der Annahme, dass alle Menschen die gleichen physischen Anlagenhätten, folgerte er das Vorhandensein einer ebenfalls ursprünglichen psychischenEinheit, die er als„ Elementargedanken" bezeichnete. Damit glaubte er die bei denverschiedensten, auch räumlich voneinander weit entfernten Völkern ähnlichvorkommenden Anschauungen und Glaubensvorstellungen erklären zu können.
Großen Einfluss auf die Ethnographie gewann Adolf Bastian durch seinenAnhänger und Verehrer Richard Andree( 1835-1912). In seinem zwei Bände umfassen-den Werk„ Ethnographische Parallelen und Vergleiche" verifiziert er die ThesenBastians, indem er an Hand zahlreicher Beispiele aus den Glaubensvorstellungen der,, Naturvölker Glossar ::: zum Glossareintrag Naturvölker" nachzuweisen versucht, dass ein und derselbe Gedanke ganz unabhän-gig bei der im großen und ganzen bestehenden Gleichartigkeit der menschlichenPsyche an zwei oder an mehreren Punkten der Erdoberfläche entstehen könne. SeineZusammenschau der„ Masken in der Völkerkunde" brachte eine erste Übersicht überdieses zentrale Thema der Ethnologie. Er lieferte damit die Anregung zur Masken-forschung in der Volkskunde. In diesem Kreis fand er auch seine spätere Frau MarieEysn, die sich mit Salzburger Perchtenmasken beschäftigte und die ihre Studien ineinem Sammelwerk„ Volkskundliches aus dem bayrisch- österreichischen Alpengebiet"herausbrachte. Auf diese Weise kam Richard Andree, der als ein Grenzgänger zwi-schen der vergleichenden Ethnologie und der Volkskunde angesehen werden kann,in direkten Kontakt zur österreichischen Volkskunde.
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