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Ur-Ethnographie : auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur ; die Sammlung Eugenie Goldstern
Entstehung
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zu zuwenden. Es gelingt ihm, zahlreichejüngere Gelehrte von Ruf um sich zuscharen. Neben seinem Sohn ArthurHaberlandt sind hier in erster LinieRudolf Trebitsch und Eugenie Goldsternzu nennen. Auf seine Anregung hinverlegen sie ihre Sammlungs- und For-schungstätigkeit vornehmlich in Rand-gebiete Europas. Hier hofften sie kultu-relle Erscheinungen vorzufinden, dieeiner vermeintlich älteren Kulturstufeentstammen. Als Reliktgebiete galtenbesonders verkehrsferne Gebirgs-landschaften, Inseln und der Balkan indenen eine agrarisch geprägte Wirt-schaft- und Sozialstruktur( Bauern,Hirten) bis ins 20. Jh. vorherrschte.

Die vergleichende Betrach-tungsweise wollte Haberlandt ganz be-sonders auch auf die Volkskunstforschungangewendet wissen.

F.G.

Michael Haberlandt( 1860-1940)

Geboren in Ungarisch Altenburg, Studiumder Indologie bei Friedrich Müller und GeorgBühler, ab 1884 Kustos am k.k. Naturhistori-schen Hofmuseum und am Aufbau der anthro-poliogsch- ethnographischen Abteilung betei-ligt. Hier hatte er die allerbeste Gelegenheitund Nötigung( sich) mit diesem Fache sowol( sic!) nach seiner allgemeinen Seite, wie imBesonderen mit den ethnographischen Ver-hältnissen sämtlicher ethnischer Gruppender Erde auf das Eindringlichste zu befassen",wie er in seinem Curriculum vitae" schreibt,das er 1892 seinem Habiltitationsansuchenbeifügte. Nachdem er sich zunächst in denindischen Geist versenkte, über Maledivenschreibt, Völkerschmuck bearbeitet, wendet ersich in seinen Vorlesungen an der Universitätimmer mehr der allgemeinen und der öster-reichischen Volkskunde zu. Zusammen mitWilhelm Hein gründete er 1894 den Vereinund 1895 das Museum für österreichischeVolkskunde. Sein Anliegen war es, die Volks-kultur der innerhalb der Monarchie lebenden( Sprach) Nationen zur Darstellung zu bringen.Das führte zur vergleichenden Arbeitsmethode.Zu seinen wichtigsten volkskundlichen Werkenzählen die Österreichische Volkskunst", 1911,,, Werke der Volkskunst", 3 Bände ab 1914, Ein-führung in die Volkskunde, 1924, Österreich,sein Land und Volk und seine Kultur, 1927, Kultur im Alltag", 1900, In dem Beitrag Meine Lebensarbeit"( Wiener Zeitschrift fürVolkskunde, XLV. Jg. Wien 1940, 66-68) ziehtMichael Haberlandt eine Summe seineswissenschaftlichen Lebens.

Rudolf Trebitsch( 1876-1918)

Sohn eines jüdischen Wiener Seidenfabrikan-ten, studierte Medizin, übte den Beruf jedochnie aus. Er wandte sich der aufstrebendenAnthropologie und Ethnologie zu, wurdeSchüler von Rudolf Pöch und begann sich fürSprachen zu interessieren. 1906 unternahm ereine fünfmonatige Expedition nach Grönlandvon der er phonographische Aufnahmen undeine Eskimo- Sammlung Glossar ::: zum Glossareintrag  Sammlung mitbrachte, die er demPhonogrammarchiv bzw. der ethnographischenAbteilung am Naturhistorischen Museum über-gab. Unter dem Einfluss von Michael Haber-landt begann sich Trebitsch in den folgendenJahren immer mehr der europäischen Ethnolo-gie zuzuwenden. Sein Interesse galt deneuropäischen Randgebieten und ihren primiti-ven Glossar ::: zum Glossareintrag ven Kulturerscheinungen. Auf der Suche nachkeltischen Restvölkern besuchte Trebitsch 1907Irland und 1909 Wales, die Insel Man undSchottland. Von diesen Reisen zeugt ein Cor-acle", ein urtürliches Lederboot, das er demneuen Museum für Volkskunde überließ. Miteiner Arbeit über Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitive Schiffsfahrzeuge"erlangte er 1911 sein zweites Doktorat. Auch die1908 erworbene Bretagne- Sammlung übergaber diesem neuen Museum. Sie diente ArthurHaberlandt als Grundlage für seine Beiträgezur bretonischen Volkskunde. Erläuterungenzur bretonischen Sammlung des k.k. Museumsfür österreichische Volkskunde"( Ergänzungs-band zur Zeitschrift für österreichische Volks-kunde, XVIII/ 1912). Das Museum verdanktRudolf Trebitsch zudem noch eine bedeutendeBasken- Sammlung aus den Pyrenäen.Der Erste Weltkrieg unterbrach abruptTrebitschs Sammeltätigkeit. 1918 schied erfreiwillig aus dem Leben.

Lit.:

Bastian, Adolf: Ethnische Elementargedanken in der Lehre vom Menschen. 2 Bd., 1896

Bringeus, Nils- Arvid: Der Vergleich in der ethnologischen Forschung. In: Volkskultur und Moderne. Europäische Ethnologie zur Jahrhundertwende.Festschrift für Konrad Köstlin. Hg. vom Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien. Wien 2000, 71-90

Gerndt, Helge: Die Anwendung der vergleichenden Methode in der Volkskunde. In: Ders., Kultur als Forschungsfeld. Über volkskundliches Denkenund Arbeiten. München 1981, 168-193

Haberlandt, Michael: Die europäische Volkskunst in vergleichender Betrachtung. In: Jahrbuch für historische Volkskunde, Bd. 2, 1926, 33-43Hoffmann- Krayer, Eduard: Ideen über ein Museum für primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Ergologie. In: Museumskunde. Bd. VI, Berlin 1910, 113-125

Hoffmann- Krayer, Eduard: Über Museen für vergleichende Volkskunde. In: Jahrbuch für historische Volkskunde, Bd. 2, Berlin 1926, 76-87

Nixdorff, Heide und Thomas Hauschild: Europäische Ethnologie. Theorie- und Methodendiskussion aus ethnologischer und volkskundlicher Sicht. Berlin 1982Schmidt, Leopold: Geschichte der Österreichischen Volkskunde.(-Buchreihe der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde, N.S. Bd. 2). Wien 1951Tylor, Edward B.: Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitive Culture. 1871( dt. 1873)

Wundt, Wilhelm: Elemente der Völkerpsychologie. Grundlinien einer psychologischen Entwicklungsgeschichte der Menschheit. 1912

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