Rockenstäbe
aus dem Aostatal, dat. 1846,ÖMV 39.972
Sammlung Eugenie Goldstern,aus Südosteuropa, um 1900,ÖMV 22.096, ÖMV 44.712
Volkskunde: Vergleichende europäische Ethnographie
Vergleichende Forschung ist eine fächerübergreifende Erscheinung.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts begannen zahlreiche Geisteswissenschaften denVergleich zum Inhalt ihres Faches zu machen. Hier wäre zunächst die vergleichendeSprachwissenschaft zu nennen. Durch Jakob Grimm gelangte die vergleichendeMethode von der Sprachwissenschaft in den Bereich der Mythologie, wo sie wohl amspekulativsten gehandhabt wurde. Hier verglich man nämlich die im Volk lebendenSagen und Mythen über Jahrtausende hinweg mit antiken Erscheinungen. WilhelmMannhardt erweiterte den Gegenstand vergleichender Betrachtung von Märchen,Sagen und Glaubensvorstellungen auch auf Brauchhandlungen. Er führte bereitsgezielte Fragebogenerhebungen für seine Vergleiche durch. Besondere Bedeutungerlangte die vergleichende Methode in der Völkerkunde und Völkerpsychologie.Genannt seien hier nur Adolf Bastian, Edward B. Tylor und Wilhelm Wundt. Para-digmatisch ist der Titel Richard Andrees„ Ethnographische Parallelen und Vergleiche",1878 und 1889." Daneben tritt die These der Kulturwanderung( Friedrich Ratzel,Anthropogeographie, 1882). Hier wird zur Gewinnung und Abstützung spezifischerAussagen- etwa im Rahmen der Kulturkreislehre- ebenfalls die vergleichendeMethode eingesetzt.
Die sich im Umkreis der Wissenschaften vom Menschen etablierendeVolkskunde bevorzugt ebenso eine vergleichende Arbeitsweise. In Wien ist es vorallem Michael Haberlandt, der zusammen mit Wilhelm Hein den Vergleich zumProgramm erhebt. Sie nehmen die Bestrebungen der Zeit auf und gründen 1894 denVerein und 1895 das Museum für österreichische Volkskunde.„, Durch die bunte ethno-graphische Zusammensetzung Österreichs ist uns die vergleichende Richtung desVolksstudiums geradezu selbstverständlich gegeben", schreibt Michael Haberlandt,, Zum Beginn" in der Zeitschrift für österreichische Volkskunde( 1895). Er trifft sichdamit mit den Bestrebungen Eduard Hoffmann- Krayers, der für ein Museum für ver-gleichende europäische Volkskunde in Basel eintritt. Die Wiener Museumsinitiatorenfolgen einem Trend, der sie von der allgemeinen Ethnologie zur europäischen Ethno-graphie führt. Michael Haberlandt, der bei Friedrich Müller Sanskrit und Sprachver-gleichung studierte und sich später bei ihm habilitierte, hält zunächst Vorlesungenüber allgemeine und spezielle Ethnographie, Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag Primitive Kunst, vergleichende Religions-wissenschaft, Ergologie der Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag Primitiven, um sich dann ganz der Volkskunde Österreichs
27 Ur- Ethnographie