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Ur-Ethnographie : auf der Suche nach dem Elementaren in der Kultur ; die Sammlung Eugenie Goldstern
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Urformen

Zwei Objektgruppen sollen zu Beginn der Ausstellung die Faszination desPrimitiven Glossary ::: show glossary-entry Primitiven zum Ausdruck bringen. Sie stehen als Metapher für das in der EinleitungGesagte.

Grasmantel

Zu den eindruckvollsten Stücken einer Ur- Ethnographie zählt der Grasmantel.Interessanterweise gibt es keine genauen Aufzeichnungen über seine Erwerbung.Solche Grasmäntel waren aber um 1900 noch im südlichen österreichischen Alpen-gebiet, in Kärnten und der Steiermark, in Slowenien und Kroatien bei den Hirten,Fischern, Waldarbeitern und Wegmachern in Verwendung. Bei ihrer Arbeit auf denAlmen, auf Feldern und im Waldgebiet dienten diese Umhänge aus Gras, Schilfrohr,Binsen oder Baumbast. als Schutz vor Regen und Kälte.

Viktor von Geramb berichtet in seinem Steirischen Trachtenbuch, dassim Sulmtal( Südsteiermark) noch 1928 ein Regenmantel angefertigt worden sei. AlsHerstellungsmaterial wurde eine dem Zittergras ähnlich Segge verwendet, die inSüddeutschland und Oberösterreich unter dem Namen Waldhaar" bekannt ist. In derSteiermark wird dieser Seegrasersatz von den Bauern Mantelsocher" oder Mantel-gras" genannt. In der Umgebung von Wien benützte laut Arthur Haberlandt ein Wein-hüter einen ähnlichen Schilfmantel als Unterlage beim Liegen im tauigen Gras.

Im 18. Jahrhundert scheinen solche Mäntel keine Seltenheit gewesen sein.So berichtet Joseph Rohrer von Strohmänteln der Tiroler Schwabenkinder", die ihnihrem Aussehen nach an nordamerikanische Wilde" erinnerten. Derartige Regen-mäntel" standen auch in Portugal in Verwendung, von wo die Form vielleicht nachMexiko übertragen wurde. Auch im ostasiatischen Raum sind Grasmäntel nicht unbe-kannt. Das Völkerkundemuseum besitzt etliche Beispiele aus Japan und aus Indien, wodie unterste Kaste der altindischen Gesellschaft solche Binsenmäntel als Umhang trug.Dass Regenmäntel bereits im Altertum gebräuchlich waren, schildert Theo-krit, der Hirten und Schiffer im alten Griechenland mit Binsengeflechten bekleidetsah. Pomponius Mela berichtet über Mäntel aus Baumbast bei den Germanen.

Den realen Beweis, dass Umhänge aus Gras schon in der Urzeit hergestelltwurden, liefert schließlich der Eismann" vom Hauslabjoch. Im Sinne von Viktor vonGeramb kann hier also von einer Ur- Tracht gesprochen werden.

F.G.

Lit.:

Geramb, Viktor( Hg.): Steirisches Trachtenbuch. Bd. I. Graz 1932, 28-33, Abb. 9-12

Haberlandt, Arthur: Die volkstümliche Kultur Europas in ihrer geschichtlichen Entwicklung. In: Buschan, Georg:Illustrierte Völkerkunde in 2 Teilen. Bd. II, 2. Teil. Stuttgart 1926( 2.u.3. vollst. umgearb. Auflage), 542 f.Rohrer, Joseph: Uiber die Tiroler. Ein Beytrag zur Oesterreichischen Völkerkunde. Wien 1796, 50

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Ur- Ethnographie