Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Sammlung von Eugenie Goldstern.Sie ist freilich nicht singulär, sondern Teil eines großen, visionären Gesamtkonzeptes.Michael Haberlandt formuliert das im Prolog der ersten Folge der Zeitschrift für öster-reichische Volkskunde folgendermaßen:
Einführung:Ur- Ethnograhieoder
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„ Von den Karpathen bis zur Adria wohnt in dem von Natur und Geschichte gefügten Rah-men des Vaterlandes eine bunte Fülle von Völkerstämmen, welche wie in einem Auszug dieethnographische Mannigfaltigkeit Europas repräsentiert. Germanen, Slaven und Romanen- die Hauptstämme der indo- europäischen Völkerfamilie- setzen in verschiedener Schich-tung und nationalen Abschattungen die österreichische Bevölkerung zusammen. Wirbekümmern uns aber nicht um die Nationalitäten selbst, sondern um ihre volksthümliche,urwüchsige Grundlage.
Um die Erforschung und Darstellung der volksthümlichen Unterschicht ist es uns allein zuthun. Das eigentliche Volk, dessen primitivem Glossar ::: zum Glossareintrag primitivem Wirtschaftsbetrieb eine primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Lebens-führung, ein urwüchsiger Geisteszustand entspricht, wollen wir in seinen Naturformenerkennen, erklären und darstellen. Ersteres durch die Mittel und Methode der Wissen-schaft in unserer Zeitschrift; letzteres da die volksthümlichen Dinge in raschem Ver-schwinden begriffen sind, durch die Bergung und Aufsammlung in einem Museum. BeideThätigkeiten werden auf österreichischem Boden von selbst und nothgedrungen ver-gleichende sein"
Dieses Museum entstand bekanntlich 1895. Es gedieh im Umfeld der Wissen-schaften vom Menschen, die unter dem Dach des 1876 errichteten k.k. Naturhistori-schen Museums innerhalb der Anthropologischen Gesellschaft vereint waren und diesich von verschiedenen Seiten ihrem Ziel näherten: Anthropologen untersuchten diephysische Entwicklung des Menschen, Prähistoriker gruben nach Überresten derKultur, Ethnologen begaben sich zu den außereuropäischen„ Primitivvölkern Glossar ::: zum Glossareintrag Primitivvölkern" und diesich innerhalb dieses Konzerts der Wissenschaften etablierende Ethnographie/ Volks-kunde interessierte sich für die„ primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven" Erscheinungen in der eigenen Kultur, weilman in ihnen nicht nur die Vorgeschichte der Moderne, sondern auch die Frühge-schichte der Menschheit repräsentiert sah. Waren zuvor schon von Seiten der vergleichenden Sprachwissenschaft und einer germanisch orientierten Mythenforschungdas Fortwirken archetypischer Überlieferungen in Sagen und Bräuchen konstatiertworden, so sollten nun an Hand von Geräten( Ergologie) die langen Überlieferungs-ströme der traditionellen Volkskultur gezeigt werden. Schon Edward B. Tylor hatte denKulturwissenschaften„ Überbleibsel" oder„ survivals" als Forschungsgegenstand aufge-
tragen.
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