Druckschrift 
Hirten und Herden : Schafhaltung in der Slowakei
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Nimmt man den Käseklumpen zur Weiterverarbeitung aus dem Holzgefäß, bleibt als Nebenprodukt die Molke, die zurweiteren Verarbeitung zu einem Milchgetränk mit der Bezeichnung žinčica gebraucht wird. Das Verfahren ist so: Die Molkegieẞt man in einen Kessel, der über das Feuer gehängt wird. Dort erwärmt sich unter ständigem Umrühren die Molke. Wennsich an der Oberfläche die ersten Blasen zeigen, wird der Kessel vom Feuer genommen, und mit dem Kochlöffel schöpftman die obere, dichte Milchmasse urda ab, aus der die žinčica gewonnen wird. Dieses Getränk trinkt man aus kleinenHolzbechern, die črpák heißen. Die Molke wird entweder frisch, wenn sie noch süß schmeckt, konsumiert oder abgekühlt,dann schmeckt sie säuerlich wie Joghurt. Aus saurer Molke wurde früher einmal Schafbutter erzeugt. Dazu wurde von dersauren Molke die obere Rahmschicht abgenommen, in ein Gefäß zum Buttern gegeben und danach die Butter mit warmemWasser abgegossen.

Die Erzeugnisse aus Schafmilch hatten in der volkstümlichen Ernährung große Bedeutung. Vor allem aus Brimsen bereiteteman verschiedene Speisen zu, wodurch der Mangel an Fleischspeisen ausgeglichen wurde. Am bekanntesten sindbryndzové halušky, Nockerln mit Brimsen, und bryndzové strapačky, Nockerln mit geriebenen Kartoffeln. Produkte ausSchafkäse waren schon im 16. Jahrhundert Marktware; besonders der Liptauer Käse gelangte auch auf den Wiener Markt.Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird Brimsen nur noch in Fabriken für den Verkauf hergestellt. Geräucherter Schafkäse,oštiepok, und Dampfkäsesorten werden hingegen bis heute von den Frauen der Schäferfamilien in den städtischenZentren und Badeorten in der Slowakei und in Böhmen verkauft. Dank dem guten Absatz auf den Märkten entwickelte sichauch die Erzeugung von Dampfkäsesorten, die in anderen Gebieten der karpatischen Schafhaltung nicht vorkommen.

70

Abb. 34, výčap žinčice, Abzapfen der žinčica/ Belá, Žilina/ J. Podolák, 1965