RUDOLF HAYBACHS BEZIEHUNG ZUR KUNST
Das kulturelle Klima eines Landes wird meist nur zu einemgeringen Prozentsatz von den Großen der Kunst wie der Wissen-schaft geprägt. Denn sie treten vielmehr als Gipfel jenesHöhenrückens hervor, den die allgemeine Aufgeschlossenheit,Wachheit und Kreativität einer historisch, geographisch, po-litisch, programmatisch oder sonst irgendwie bestimmten Ge-meinschaft bildet%; B die mittlere Höhe dieser gesamten Hügel-kette aber wird markiert von der Summe kultureller Aktivi-täten vieler einzelner, die das Stratum bilden, auf demsich die kostbaren Großen zu entwickeln vermögen.
Rudolf Haybach ist einer jener Menschen, die entschei-dend das Ambiente geprägt haben, das wir heute als verbind-lich für die späte österreichische Moderne betrachten.Haybach und er steht dabei wohl als Paradigma vor unsmuß als eine Art Meister der Freundschaft, der Sensitivi-tät und der ästhetischen wie geistigen Empfangsbereitschafterscheinen, der, persönlich durchaus im Künstlerischen ange-siedelt, doch über dem Dienst an anderen sich immer zurückzu-stellen gewohnt war. Erst im hohen Alter fühlte er sichdieser selbst auferlegten Pflicht enthoben und frei, sichnun gänzlich seinem eigenen Schaffen zu widmen.
Im Jahre 1886 in Wien geboren, besuchte er die TechnischeHochschule und arbeitete in der Folge als Ingenieur- sobaute er u.a. die Gasteiner Thermalwasserleitung-, bisihn die Ereignisse des Ersten Weltkrieges aus dieser" bür-gerlichen Existenz rissen, in die er nie mehr zurückkehrensollte. Als Soldat geriet Haybach in russische Kriegsge-fangenschaft, und im Gefangenenlager in Sibirien war es, wo
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