Vorwort
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Das Österreichische Museum für Volkskunde stellt 1975 in jenem Saaldes Schloßmuseums Gobelsburg, den wir uns für Wechselausstellungen auf-gespart haben, volkstümlich geformtes, bemaltes, geschliffenes Glas aus.Das Museum gehört nicht zu den berühmten Glas- Spezialsammlungen, aberim Lauf von 80 Jahren haben sich bei einer allseitig orientierten Erfassungdessen, was man als Volkskunst bezeichnet, selbstverständlich auch Beständean Glas, also an Gläsern, an Flaschen, Bechern, Krügen, Leuchtern und denverschiedensten anderen Geräten und Gefäßen aus Glas ergebenersten Jahrzehnten aus den weiten Gebieten der alten Österreichisch- Unga-rischen Monarchie, später dann vor allem aus dem Gebiet des heutigenÖsterreich. Dabei sind, nicht zuletzt durch die Bemühungen einzelnerSammler wie etwa von Alfred Ritter von Walcher- Molthein, wichtige Be-stände aus heimischen Werkstätten der Vergangenheit, vor allem aus Ober-österreich, in das Museum gelangt. Wenn man den Gesamtbestand, immer-hin einige Hundert Stück, überblickt, muß man sagen, daß es sich umbezeichnende Objekte aus der Blütezeit der österreichischen Volkskunsthandelt. Wie das Museum immer schon hauptsächlich Bestände der frühenNeuzeit gesammelt hat, so sind auch auf dem Gebiet des alten Glases imwesentlichen Bestände vom 17. bis zum 19. Jahrhundert erworben wordenund bieten nebeneinandergestellt einen gewissen Querschnitt durch all das,was man in breiten Schichten gekannt, besessen und verwendet hat. Damitentspricht die Glassammlung des Museums genau der Möbelsammlung wieder Majolikasammlung des Museums, und da aus deren Beständen großeKollektionen ständig in Gobelsburg ausgestellt sind, bedeutet gerade dieseGlassammlung eine richtige Ergänzung dazu.
Ähnlich wie bei jenen Beständen sind sicherlich auch hier gewisse Vor-urteile auszuräumen: Diese Gläser sind vielfach in bäuerlichem Besitz ge-wesen, sind mitunter schon für ländliche Benützer geschaffen worden, aberes sind deshalb keine„, Bauerngläser", ebensowenig wie die bemalten Möbelkeine ,, Bauernmöbel" sind und die Majolikakrüge und-schüsseln kein,, Bauerngeschirr". Ländliche und auch städtische Handwerker haben dieseDinge geschaffen, und die Herstellung eines mit Schmelzfarben bemaltenGlases verlangt nicht weniger Fachkenntnisse als die eines Majolikakruges.Zur Volkskunst zählen alle diese Stücke in ihren Gruppen, weil diese Hand-werker in bestimmten Traditionen gearbeitet haben, weil die Formgebung,die Auszier, ob Bemalung oder Schliff, und das Versehen mit volkstüm-
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