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Aller Anfang : [birth - Geburt - naissance - parto ; Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 10. April bis 6. Oktober 2002]
Entstehung
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eine verschwindend kleine Zahl der Frauen nimmt überhauptnicht an den Vorsorge- Untersuchungen teil. Die Inanspruch-nahme von Schwangerenvorsorge( Urbschat, 1999) zeigt aller-dings, dass auch in jüngster Zeit noch, wie bereits von Collatzet al( 1983) beschrieben, vor allem besser ausgebildete undüberwiegend deutsche Frauen die Schwangerenvorsorgeintensiv nutzen, während das eigentliche Risiko- Klientel unter-durchschnittlich häufig teilnimmt. 6,5 bis 13% aller Frauen las-sen eine vorgeburtliche Diagnostik mit Amniozentese oderChorionzottenbiopsie durchführen.

Kritisch betrachtet werden muss nach Ansicht der Autorin, dassin den anhand der Mutterschafts- Richtlinien gestalteten Mut-terpässen eine Vielzahl von möglichen Risikofaktoren unge-wichtet aufgeführt ist. Aus gesundheitswissenschaftlicher Per-spektive führt dies zu der seltsamen Situation, dass in einemLand mit überdurchschnittlich gutem Gesundheitsstatus undniedriger durchschnittlicher Parität( derzeit 1,4 Kinder/ Frau) dieMehrzahl der Frauen unter diesem, Risiko- Konzept" zur Risiko-Schwangeren deklariert wird. Dies kritisiert auch der Frauenge-sundheitsbericht unter Hinweis auf die mäßige Sensitivität undgeringe Spezifität des Risikokonzeptes bezüglich des Geburts-ergebnisses. Außerdem ist ein seit Anwendung der jetzigenMutterschafts- Richtlinien zunehmender Trend zur Pathologisie-rung zu beobachten. In Niedersachsen gelten 1988 nach diesenRichtlinien noch ein Viertel, 1999 schon 74% der Schwanger-schaften als Risikoschwangerschaften.

Ein am Maßstab der WHO gemessener Anteil von Risiko-Schwangerschaften läge dagegen deutlich niedriger. Die bei-den Hauptgründe, die im Lauf der letzten Jahre viele Frauen zuRisiko- Kandidatinnen in der Schwangerschaft haben werdenlassen, sind zum einen vorangegangene Kaiserschnitte, einweiterer Grund ist das steigende Alter der Erstgebärenden.Zwar steigt mit zunehmendem Lebensalter die Wahrschein-lichkeit, dass vor oder während der Schwangerschaft z. B. Herz-Kreislauferkrankungen, Stoffwechselprobleme oder Venener-krankungen auftreten, für gesunde Frauen kann jedoch nichtvon einem allein altersbedingten Risiko ausgegangen werden.Die Altersgrenze, ab der von einer späten Erstgebärenden"

geredet wird, die damit als Risikoschwangere gilt, liegt inDeutschland derzeit bei 35 Jahren. In anderen Ländern dage-gen liegt diese, Risiko- Grenze' bei 38, 39 oder sogar 40 Jahren( Schücking, 1995).

Der Fokus medizinischer Forschung liegt weniger auf derGesundheit der Schwangeren als vielmehr auf dem, fetal out-come". Tatsächlich ist die perinatale Mortalität in den 33 Jah-ren seit Einführung der Mutterschaftsrichtlinien in Deutschlanddeutlich gesunken. Dieses Phänomen trat allerdings in allenIndustrieländern auf, unabhängig von der Art der Schwange-renvorsorge und von welchem Berufsstand- Ärztinnen oderHebammen diese durchgeführt wurde( BMfJFSF, 2001). Diein Deutschland vom Umfang der Untersuchungen her ständigintensivierte Schwangerenvorsorge hatte offensichtlich keinenEinfluss auf wesentliche Probleme in der Schwangerschaftgehabt. Zwar haben 16% der Frauen mindestens einen Kran-kenhausaufenthalt in der Schwangerschaft und bei 5% allerSchwangeren erfolgen Maßnahmen zur Behandlung einer dro-henden Frühgeburt( NPE, 1998); dennoch werden zum als phy-siologisch geltenden Zeitraum in der 37. bis 41. Schwanger-schaftswoche nur knapp 90% aller Kinder geboren.Relativ groß und dies seit Jahrzehnten unverändert!- ist dieGruppe der Frühgeborenen mit über 7%. Vielfach wird fetalerWachstumsrückstand in der Schwangerschaft nicht erkannt,selbst die Fehlbildungsdiagnostik hat nur bei wenigen Exper-ten eine gute Sensitivität aufzuweisen. Ebenso wenig hat sichbisher die vorgeburtliche Mortalität beeinflussen lassen( Jahnet al, 1998).

In dieser Situation versuchen Hebammen, in dem Bereich derSchwangerenvorsorge wieder Fuß zu fassen. Sie sind dabeiwissenschaftlich gestützt durch eine Reihe von Untersuchun-gen, die die Effektivität von Schwangerenvorsorge durch Heb-ammen belegen. Aufgrund dieser Ergebnisse formuliert auchdie neueste Ausgabe von Effective Care in Pregnancy andChild Birth", dass Frauen mit normalen Schwangerschaftenvon Hebammen oder Hausärzten betreut werden sollten, diezum einen auf die physiologische Schwangerschaft hin orien-tiert seien und von denen man erwarten könne, dass ihnen die