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Aller Anfang : [birth - Geburt - naissance - parto ; Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 10. April bis 6. Oktober 2002]
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Beate Schücking

Schwangerschaft Geburt und Wochenbett

aus gesundheitswissenschaftlicher Perspektive

Die besondere Lebenslage" einer Frau, die sich heute dafürentscheidet, Kinder zu haben, führt zu einer Vielzahl von soma-tischen wie psychosozialen Implikationen und Konsequenzen.Ziel dieses Beitrags ist es, diese im Überblick darzustellen. Nuram Rande berücksichtigt sind die Sonderfälle" reproduktivenVerhaltens wie Sterilitätsbehandlung, Präimplantations- Diagno-stik( PID), In- Vitro- Fertilisation mit oder ohne intrazytoplasmati-scher Spermien- Injektion( ICSI) und Embryotransfer, da derAnteil dieser neuen Technologien am reproduktiven Gesche-hen immer noch gering ist. Wenig mehr als 2% der Kinder ent-stehen auf diesem Wege. Doch ohne Zweifel beeinflusst dieExistenz dieser Technologien zum einen auch die Vorstellun-gen der Frauen und Paare, die diese nicht in Anspruch nehmen( müssen oder wollen). Zum anderen haben die technologi-schen Möglichkeiten auf der professionellen Ebene sowohl alsBereich wissenschaftlicher Profilierung und medizinischerInnovation wie auch als bedeutende Quelle frauenärztlichenEinkommens eine herausragende Position erlangt.

Schwangerschaft und Schwangerenvorsorge

Mit einem gewissen Unterschied zwischen den alten und denneuen Bundesländern entschließen sich Frauen in Deutsch-land heute relativ spät, Kinder zu bekommen. Das Durch-schnittsalter der Erstgebärenden ist in den letzten 16 Jahrenkontinuierlich angestiegen, von 25,8 im Jahr 1987 auf 27,9( 1999).( In Österreich liegt das Durchschnittsalter bei knapp 30Jahren.)

In der niedersächsischen Perinatalerhebung geben unter 7% derFrauen an, alleinstehend zu sein. Weniger als 2% aller Frauen

erwarten Zwillinge oder höhergradige Mehrlinge; dieser Anteilist seit Einführung der Reproduktionstechniken etwas ange-stiegen. Etwa die Hälfte der Schwangeren ist berufstätig; dabeidominieren weniger qualifizierte Berufe. Leitende Tätigkeitenwerden von rund 10% der Frauen angegeben, eine mittlereQualifikation von 7,4%. Bei den Partnern sind qualifiziertere be-rufliche Positionen mehr als doppelt so häufig angegeben.78,8% der Frauen bezeichneten sich als Nichtraucherinnen.Der Anteil der Raucherinnen liegt damit bei über 20%. Dies istin sofern beachtenswert, da Rauchen in der Schwangerschaftein wesentlicher Risikofaktor für Mangelentwicklung und post-partale Probleme des Kindes sowie für Frühgeburtlichkeit ist.Berufstätigkeit gilt heute eher als sozialer und gesundheitlicherVorteil. Allerdings betrachten 9,6% der schwangeren Frauenihre Berufstätigkeit als Belastung.

Schwangerenvorsorge als etabliertes Programm, an dem alleSchwangeren mit einer Frequenz von normalerweise zehn undmehr Untersuchungen teilnehmen sollten, hat sich in den letz-ten 30 Jahren in allen Industrieländern etabliert. So sollenAnzeichen schwerer Erkrankungen früh erfasst werden, diedie Gesundheit von Mutter und Kind gefährden können. MitHilfe des Mutterpasses( in Österreich des Mutter- Kind- Passes)ist der Verlauf der Schwangerschaft recht sorgfältig dokumen-tiert und damit nachvollziehbar. Die meisten Schwangeren( derzeit etwa die Hälfte) werden bereits bis zur 8. Schwanger-schaftswoche( SSW) erstmals untersucht. Innerhalb der ers-ten 12 Wochen sind es knapp 90% aller Schwangeren. Etwas75% aller Schwangeren nehmen mehr als zehn Vorsorgeun-tersuchungen in Anspruch( BMfJFSF, 2001; NPE, 1998). Nur

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