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Aller Anfang : [birth - Geburt - naissance - parto ; Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 10. April bis 6. Oktober 2002]
Entstehung
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Piera Maghella

Geburtskultur im Spiegel von Kinderaugen

Wir alle haben eine persönliche Vorstellung von der Geburt, die aus Körperempfindungen, Gefühlen, Bildernund Gedanken resultiert, und die bereits im frühenkindlichen Alter geformt wird. Diese Vorstellungen habenverschiedene Quellen: die eigene Geburt, die Erzählungen der Mutter, oder beider Eltern, Erfahrungen ausder Schule, aus Büchern, Cartoons und Filmen. Sie resultieren aus dem, was unsere Kultur generell über dieRolle von Frauen und Kindern überliefert, und stehen auch in Bezug zu den eigenen sexuellen und emotio-nellen Erfahrungen. Dieses Vorstellungssystem ist die Basis unserer eigenen Geburtsvorbereitung unddurch Zeichnungen können sowohl Gefühle als auch Wissen darüber ausgedrückt werden. Die Autorin sam-melte Zeichnungen zehnjähriger Kinder( die Eltern waren zu Befragungen in jüngerem Alter nicht bereit), indenen sie ihre Vorstellungen vom Ablauf einer Geburt darstellten. Die Kinder stammen aus Norditalien: ausBologna und Modena( 1986), Genova( 1996) und Brescia( 2001). Die Kinder wurden vorher nicht vorbereitet,und sollten ihre Vorstellung von Geburt unbelastet in Form einer Zeichnung umsetzen. Die Kinder zeich-neten spontan und rasch, für sie handelte es sich um eine technische Szene. Als die Kinder ihre Zeichnun-gen ablieferten, wurden sie um eine Interpretation der Bilder gebeten. Die Gespräche wurden mittelsRecorder aufgezeichnet. Anschließend sah das Projekt auch Arbeitssitzungen mit Gesprächen über Geburtvor. Die Zeichnungen waren eher traumatischer Natur. Ausgehend von den Erfahrungen der eigenen Kinder,die bei der Geburt ihrer Geschwister anwesen waren, sammelte die Autorin auch Kinderzeichnungen vonHausgeburten, die in familiärer und umsorgter Atmosphäre stattfanden. Die Unterschiede waren unglaub-lich. Wenige Kinder zeichneten einen symbolischen Aspekt, wie einen Samen, eine Blume, einen Storch,einen Kohlkopf. Alle wussten über den Prozess der Empfängnis bescheid, über die Rolle der Chromosomenund einige Zeichnungen enthielten auch diese Aspekte. Die restlichen Zeichnungen handelten von der Ge-burt selbst. Die Bilder, die Farben, der Raum, die unterschiedlichen Größenverhältnisse zwischen den Ak-teuren erzählen davon, dass die gebärenden Frauen als passiv gesehen werden, liegend, einsam in einemmechanischen kalten Szenarium. Man sieht Skalen, Messer, Lampen, Bildschirme. Auch die Hierarchienzwischen Hebammen und Ärzten wurden deutlich. Der Vater kam nur bei Hausgeburten vor und in dreiFällen bei einer Spitalsgeburt( in einem Fall ohnmächtig am Boden liegend!). Das Neugeborene ist immerein Bub. Diese Zeichnungen lassen tief schließen und sind Spiegel unserer Geburtskultur. Als solcher sindsie eher dramatisch zu werten und legen uns nahe, unsere Einstellungen zur Geburt auf allen Linien zuverändern.

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