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Aller Anfang : [birth - Geburt - naissance - parto ; Begleitbuch und Katalog zur Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 10. April bis 6. Oktober 2002]
Entstehung
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Textiles für Brautleute und Täufling

Traditionelles Hochzeitsbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Hochzeitsbrauchtum ist reich an Anspielungenrund um die aus der ehelichen Verbindung zu erwartenden Kin-der. War es doch der einzige oder jedenfalls der Hauptzweckeiner christlichen Ehe, den Fortbestand der Familie und desfamilieneigenen Besitzes durch entsprechenden Nachwuchssicherzustellen. Man hat die erwünschten Kinder gleichsam inAndeutungen herbeigedeutet. Die in der Ausstellung gezeig-ten Hochzeitsdecken sind ein außergewöhnliches Beispielsolcher Deutungsmacht, und als solche äußerst bemerkens-wert. 36 Wie schon erwähnt, sind Schwangerendarstellungenhauptsächlich aus der sakralen Kunst bekannt. Auch die Dar-stellungen weltlicher Wochenstuben sind im Gegensatz zuden geistlichen Wochenbettbildern der Maria, Anna und Elisa-beth selten.37 Erst die moderne Kunst zeigt sich am ThemaSchwangerschaft und Geburt auch im profanen Umfeld inter-

essiert.

Die beiden im Wiener Volkskundemuseum aufbewahrtenKärntner Hochzeitsdecken stammen jedoch aus dem frühen18. Jahrhundert und zeigen den gefensterten Leib bei Frau undMann. Einmal sind es florale Sprosse, die den Leibern einge-schrieben sind, und bei den weiblichen Figuren ist es teilwei-se sogar das voll ausgebildete Kind, das entweder erwünschtwird oder vielleicht schon im Werden begriffen ist. Die auchdurch die Technik( Kreuzstichstickerei) bedingte naive Manierdes figürlichen Ausdrucks hat etwas Abstraktes an sich underinnert einerseits an archaische Darstellungen, mutet aberandererseits auch wieder ganz modern an.

Kärntner Hochzeitsdecken

Detail, um 1700

Österreichisches Museum für Volkskunde

Zum klassischen Repertoire volkskundlicher Sammlungenzählen diverse Säuglingskleidungsstücke und Taufgarnituren.Für die Präsentation ausgewählt wurden Beispiele aus demstädtisch- bürgerlichen Wien( Kat. S 291) und aus dem alpinenBereich( Kat. S 295), die sich an Pracht der Ausstattung glei-chen, doch was Material und Dekor anlangt, durchaus ver-schieden sind. Nicht gezeigt, weil in den Sammlungen nichtpräsent und auch sonst kaum aufzutreiben, sind Gegenstückeder vielen unbekannten, unerwähnten, unerwünschten ledigenKinder der Frauen aus den Unterschichten, deren Taufe, wennsie überhaupt stattfand, wohl kaum zu einem Festtag geriet.

Paten- und andere Geschenke

In sogenannten geordneten Verhältnissen jedoch war die glück-liche Geburt eines gesunden Kindes ein Anlass für Geschenkean Mutter und Kind. Man besuchte die Wöchnerin und brach-te eine kräftigende Suppe in einer entsprechenden Schale mitDeckel, die dann bei der jungen Mutter als Geschenk verblieb.Erinnern wir uns hier nochmals an die dampfende Schüssel,die die dritte der drei Weisen Frauen auf der elektronischenBildpostkarte trägt. Die Godenschale in der Ausstellung- dieBezeichnung deutet auf die Patin, die Überbringerin des Ge-schenks- weist wiederum symbolische Bezüge auf. Der Griffdes Deckels ist in Form eines gewickelten Säuglings, der aufeinem Polster ruht, gestaltet.38

Der Täufling erhielt im allgemeinen ein sogenanntes Eingebin-de, einen silbernen Tauftaler, der in einen Patenbrief gehüllt,

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