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Bild, darüber erschien ein Fragesatz und nacheinander wurdensechs mögliche Handlungsmuster ins Bild gesetzt zur fiktivenAnnahme:
What would have happened if it had been thethree Wise Women instead of three Wise Men?They would have asked directions...
arrived on time...
helped deliver the baby
cleaned the stable...
brought practical gifts.
fol and made a casserole
Die Satire dieser Botschaft kann erst funktionieren, seit derGeschlechterdiskurs in seiner modernen Form im Gange istund die populäre Psycho- Literatur die kognitiven und semanti-schen Voraussetzungen zum Verständnis der einzelnen, durchText und Bild bzw. entsprechende Piktogramme transportier-ten Verhaltensmuster geschaffen hat. Vor allem dadurch, dassdie Handlungsstereotype bekannt und gängige Praxis sindbzw. waren, werden sie verständlich. Frauen hätten( im Ge-gensatz zu Männern, wird unterstellt) keine Probleme damit,im unbekannten Terrain nach der Richtung zu fragen, und Frau-en pflegten pünktlich zu sein.
Was aber im Zusammenhang mit unserem Thema mehr inter-essiert, sind die vier Komponenten rund um die Geburt desJesuskindes, von der hier die Rede ist, ohne dass das Ereignisangesprochen werden müsste. Wären die Besucher Frauengewesen, wären sie nicht nur rechtzeitig zur Niederkunft dage-wesen, sondern sie hätten auch bei der Geburt des Kindes assi-stiert, nachher bei der Hausarbeit geholfen, hätten praktischeGeschenke mitgebracht und für die Wöchnerin eine Speisebereitet. Es werden also etliche jener Elemente angesprochen,die Geburten in traditionellen Gesellschaften zu begleiten pfleg-ten: die Geburtshilfe von Frau zu Frau, die Entlastung der Wöch-nerin nach der Geburt, das Reichen der klassischen Wöchnerin-nensuppe und das Beschenken von Mutter und Kind.
Gäbe es nicht noch Probleme mit der Archivierung elektroni-scher Text- und Bildwerke5, so ginge diese„ Weihnachtskarte"gewiss in die Sammlungen des Österreichischen Museumsfür Volkskunde ein. Sie repräsentiert eine Kulturtechnik derGegenwart, ist ein polyvalentes Zeugnis menschlicher Kom-munikation und ihr Inhalt enthält eine Reihe von Fragen, diesich unter vergleichender Zuhilfenahme historischer Samm-lungsbestände auf verschiedene Weise interpretieren lassen.
Die digitale Karte entspricht auch Kriterien der populären Krea-tivität, wenn man diese Klassifizierung für ein modernes Pro-dukt in dieser Form gelten lassen will. Sie ist irgendwo zwi-schen den Kategorien Bilderzählung, Witz und Kommunikationangesiedelt. Die Gestaltung ist einfach, bedient sich aber desderzeit modernsten und gängigsten Mediums. Die Spuren desHerstellers, der Herstellerin verlieren sich im Zuge der massen-haften Verbreitung, doch es ist ein gewisses Maß an„ Volks-wissen" nötig, um die Botschaft entschlüsseln zu können. Mitdem Versenden dieser Weihnachtskarte wird neben der Gruß-botschaft eine weitere, ästhetische Text- Bild- Botschaft trans-portiert, die auf klassische Muster zurückgreift.
Die Verbreitung eines derart karikaturesken Inhalts einer reli-giös verankerten Botschaft wie der Visite der drei Weisenbeim neugeborenen Heiland, ist erst in der gegenwärtigensäkularisierten westlichen Welt denkbar. Mit dem Aufbrechender Frauen- und Genderforschung in den historischen Fächernund den Kulturwissenschaften kamen auch die männlich domi-nierten Religionen ins Schussfeld der Kritik. Doch dieser As-pekt soll hier nicht weiter verfolgt werden. Das Interessante anunserer Weihnachtskarte ist einerseits die Verbindung vonReligion und Geburt, ein seit der Antike bekanntes Begriffspaarin unterschiedlichen Glaubensvorstellungen, und andererseitsdie Verwendung traditioneller Handlungsmuster rund um dieGeburt, deren Kenntnis in unseren Breiten aufgrund der Ver-schiebung der Hausgeburten zugunsten der Klinikgeburtenallerdings im Schwinden begriffen ist.