lich auch Einfluß auf Daniel; ebenfalls ein Prophetdes Alten Testaments. In seinem Buch, das um 160v. Chr. entstanden ist, nehmen einige Kapitel eineapokalyptische Perspektive ein: Daniel erzähltdarin von einer Person aus der Vergangenheit, dieeine Vision hatte, in der ihr Gott seinen Plan für dieMenschheit offenbarte, nämlich das zukünftigeEnde der Welt. Die Enthüllung setzt bei geschichtli-chen Ereignissen an, die beim Schreiben des Textesschon vergangen waren, um so die Glaubwürdigkeitdes Textes zu unterstreichen. Die Entstehungszeitdes Buches Daniel fällt zusammen mit der großenJudenverfolgung durch den Seleukidenkönig Antio-chus IV.( 175-164). Daniels Text ist von der Visiondes Weltendes geprägt, welches an den Zeichen derZeit abzulesen sei. Der Einfluß der persischen Glau-benswelt während der hellenistischen Ära und dergrundsätzliche Glaube an einen gerechten Gott beiDaniel ermöglichen die Vorstellung, daß es einenAusgleich der Ungerechtigkeiten im Jenseitsgebe.25
Auffallend ist, daß apokalyptische Schriften in Zei-ten entstanden sind, da die Religion der Verfasserunter Verfolgung stand. Die Texte wollen glaubhaftmachen, daß es sich um eine Übergangszeit handleund stellen eine Zeitenwende in Richtung einer Ärades Friedens in Aussicht. Das Buch Daniel kann alsoals Zuspruch an die Glaubensgenossen verstandenwerden, diese schwierige Zeit durchzustehen.
Sibyllinische Orakel
In der griechischen und römischen Mythologie istein Orakeltypus belegt, der wie die apokalypti-schen Schriften eine allgemeine Zukunftsvorher-sage bringt und am Ende der Geschichte ein Jüng-stes Gericht prophezeit- die sogenannten sibyllini-schen Orakel. Angenommen wird, daß es einehistorische Frau namens Sibylle gab, die in der Anti-ke von einem Weltuntergang geweissagt hatte. Diefrüheste Erwähnung findet sich bei Heraklit um 500v. Chr.; er nennt eine Sibylle aus Erythrai in Klein-asien. Ihr Name ist in Folge allgemein auf weis-sagende Frauen übertragen worden. Varro( 116-27v. Chr.) berichtet von zehn prophetischen Frauenund bezeichnet diese als Sibyllen. 26 Die Ähnlichkeitder darin enthaltenen Motive- Strafpredigt gegen
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die verderbte Zeit, Anrufung Gottes um Hilfe,Androhung eines Jüngsten Gerichts, Ankündigungeines Erlösers- läßt die Vermutung zu, daß diesibyllinische Prophetie Einfluß auf die spätjüdi-schen Apokalypsen hatte.
Die Sibyllinischen Weissagungen sind eine eigeneTextsorte neben den Apokalypsen. Im 5. und 6.Jahrhundert waren sie im Römischen Reich weit ver-breitet; Kirchenfürsten ließen sich Versionen erstel-len. 27 Zu den heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischen Sibyllen treten in derFolge auch christliche- auch Augustinus erwähnteine Sibylle, welche die mittelalterliche Literaturdominieren. Besonderen Einfluß hatten die Sibylli-nischen Weissagungen von 1321, worin als Sibylledie Königin von Saba auftritt. Diese führt einGespräch mit Salomo und verkündet ihm unteranderem die christliche Eschatologie, die Lehre vonden letzten Dingen. Im 15. Jahrhundert schreibtman die Zahl der auftretenden Sibyllen in Anleh-nung an die Bibel mit 12 fest: 12 Sibyllen stehen 12Aposteln gegenüber. Sibyllinische Weissagungensich auch in der Neuzeit bekannt und weit verbrei-tet, sie finden sich etwa in Kalendern.28
Die Bilder der Apokalypse- Apokalypsezyklenund Einzelmotive
Johannes berichtet in der Offenbarung in einer ein-drucksvollen Bildersprache von den göttlichenVisionen über die Zukunft der Menschheit. Erbeschreibt den Sturz des Satans, die WiederkunftChristi nach dem Jüngsten Gericht und schließlichdas tausendjährige Friedensreich Christi auf Erden.Die einzelnen Motive in der Apokalypse des Johan-nes erfahren unterschiedliche Ausformungen undBedeutungszuschreibungen in der christlichen Iko-nographie, der bildenden Kunst und der Monumen-talkunst, auf die hier jedoch nicht näher eingegan-gen wird.
In der Kunst wird zwischen zyklischen und Ein-zeldarstellungen zur Apokalypse unterschieden.Bei den zyklischen ist den einzelnen Episoden derApokalypse ein entsprechendes Bild zugeordnet.Es gibt umfassendere mit über 100 Darstellungen,
Johannes auf Patmos,Miniatur in Initiale, D'einer Handschrift um 1465Ektachrom: Bildarchiv, ÖNB Wien