apokalyptischen Tieres werden von argenGeschwüren gequält. Das Meer wird in Blut verwan-delt, die Lebewesen darin sterben. Auch die ande-ren Gewässer werden verwandelt und ungenießbaroder trocknen aus. Große Hitze und Finsternis bre-chen an, Hagel fällt vom Himmel. Der Fall Babylonswird erzählt und im Anschluß der Sieg über dieantichristlichen Mächte. Tausend Jahre wird derSatan im Abgrund eingeschlossen. Die WiederkunftChristi zum Jüngsten Gericht und die erste Aufer-stehung finden statt: Die Toten, die nicht das Tierangebetet hatten, also kein Malzeichen des Tierestragen, werden lebendig und regieren mit Christustausend Jahre.
Danach wird der Teufel losgelassen und der letzteKampf, der Kampf zwischen Gut und Böse, ausge-tragen. Der Teufel, das apokalyptische Tier und derfalsche Prophet werden endgültig in den Feuerpfuhlgeworfen. Es wird wieder Gericht gehalten, dieToten werden nach ihren Werken, die im Buch desLebens enthalten sind, gerichtet. Diejenigen Toten,die nicht in diesem Buch angeführt sind, kommen inden feurigen Pfuhl. Dies wird der zweite Todbezeichnet. Die Guten, Gerechten, Gläubigenerwartet ein neues Jerusalem, ein Friedensreich,das von Gott gegeben ist.
Im Schlußwort des Buches wird auf die Wahrheitder empfangenen Visionen insistiert und gleichzei-tig unter Strafandrohung davor gewarnt, dieseOffenbarung nicht zu fälschen, nichts hinzuzufügenoder wegzunehmen.8
Literaturgattung: Apokalypse
Die Offenbarungsschrift von Johannes ist namenge-bend für eine Literaturgattung, die sogenanntenApokalypsen, da das Wort„ Apokalypse" hier zumerstenmal genannt wird. Das griechische Wort,, apokalypsis" bedeutet Enthüllung, Offenbarung.Apokalypsenschriften sind also Schriften mit einemgeheimen beziehungsweise verschlüsselten Offen-barungsauftrag. Der Stoff ist älter als die Apoka-lypse des Johannes, er geht hauptsächlich auf jüdi-sche Prophetenschriften zurück; hier ist das BuchDaniel besonders hervorzuheben. Die spätjüdi-schen Apokalypsenschriften weisen zudem auch
altägyptische, hellenistische und persische Ele-mente auf, die in Folge von den Christen übernom-men wurden.10
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Ein wesentliches Stilmerkmal von Apokalypsen imGegensatz zu Prophetenschriften ist ihre Pseudo-anonymität. So berichten die Verfasser der Apoka-lypsen des Alten- unter anderen die Apokalypsedes Elias, des Esra, des Henoch, des Moses, dieBaruchapokaplypse und Neuen Testaments-unter anderen die Offenbarung des Adam, des Pau-lus, des Thomas¹¹1-, immer von einer seherischenPerson aus der Vergangenheit, die eine Offenba-rung empfangen habe. Einzige Ausnahme bleibt dieApokalypse des Johannes. Hier ist es der Autorselbst, der die Visionen von Jesus empfangen undaufgeschrieben hat und diese kundtut.
Jüdische und christliche apokalyptische Schriftensind hauptsächlich zwischen dem 3. Jahrhundert v.Chr. und dem 3. Jahrhundert n. Chr. entstanden.¹²Betrachtet man den historischen Hintergrund, vordem sie geschrieben wurden, so zeichnet sich dieseZeit immer durch Krisen und Konflikte mit der( be-)herrschenden Kultur beziehungsweise Religionaus. Daher zielt der Inhalt auch auf die Enthüllungeiner vorausbestimmten und nahen Endzeit dergegenwärtigen, krisenhaften, ungerechten Weltund eines Aufbruchs in ein neues Zeitalter. 13 Als dasChristentum unter Konstantin I.( 306 bis 337) alsReligion neben der römischen anerkannt wurde,war auch die Funktion der Apokalypsen nicht mehrgegeben. Trotzdem wurden Teile daraus- vor allemdie Vorstellung des Antichrist und des Tausend-jährigen Reichs unterschiedlich ausgelegt, wasnicht ohne Wirkung blieb. Diese Wirkmacht derApokalypse wird in einem folgenden Kapitel erläu-tert.
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Voraussetzungen für die Apokalypse:Hesiod, Zarathustra und Sibylle
Das Konzept einer radikalen universalen Neuord-nung mit ihren Vorbedingungen und Konsequen-zen, wie es die Apokalypse vorgibt, geht auf helle-nistische, persische und andere Vorlagen zurück. 14
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