Jänner, da der 31. Dezember, gleichbedeutend mitanderen Terminen, eingebettet war in die winterli-che Wendezeit, die sogenannte Mittwinterzeit. Gera-de für die Landbevölkerung war der 1.1. als Jahres-beginn ohne größere Bedeutung, da sich einerseitsder wichtige weihnachtliche Festzyklus mit seinenneun großen Wendefesten 26 ursprünglich über 80Tage- von Martini bis Lichtmeẞ- erstreckte undandererseits Brauchhandlungen der früheren Neu-jahrstermine nicht automatisch auf den neuen ver-legt wurden. Noch heute ist beispielsweise dassogenannte Großneujahr, also der 6. Jänner, in ver-schiedenen europäischen Ländern bedeutender alsder 1. Jänner oder gar der 25. Dezember: In Spaniensteht der Besuch der drei Magier an der Spitze derweihnachtlichen Festzeit, und auch in Griechenlandist Epiphanias der größte Feiertag im Jahr.27
Der gesamten Mittwinterzeit wird von Seiten derBrauchforschung eine intensive Beschäftigung mitder jeweils bevorstehenden Wende attestiert, die inAnsinge-, Klöpfel-, Lärm- und Losbräuchen ihrenAusdruck findet. Während die Klöpfelbräucheeigentlich nur an den ersten drei Donnerstagen imAdvent praktiziert werden, erstrecken sich andereBrauchkomplexe über den gesamten Weihnachts-zyklus.
Die Brauchelemente und rituellen Handlungen derMittwinterzeit sollten- so die historische Deutung- vor allem der Dämonenabwehr, der Beschwörungvon Sonnenlicht und Fruchtbarkeit dienen.28 Auseinem anderen ethnologischen Blickwinkel heraushaben die rituellen Handlungen dieser wenigenMinuten, einer Nacht oder mehrere Nächte dauern-den Übergangsperiode die Funktion, die Gemein-schaft zu stärken. Dadurch, daß sie in ganzbestimmten Abfolgen ausgeführt werden, helfensie den Menschen, Veränderungen leichter zu ver-kraften. Sie kanalisieren zudem Ängste vor Unge-wissem indem sie die Höhepunkte eines Übergan-ges klar hervortreten lassen und deren Bedeutungbesonders betonen.29
Träger der Brauchhandlungen zum Jahreswechselwaren zum Teil Bauern und Handwerker, derenLeben eng mit dem Zyklus der Natur verbunden war,aber auch Dienstboten, die in Gesellschaft oder
auch allein versuchten, mit Losbräuchen in ihreweitere Zukunft zu blicken. Für sie vollzog sich inder weihnachtlichen Zeit der jährliche Dienstboten-wechsel. Was wünschte man sich mehr als einenneuen wohlgesonnenen Arbeitgeber? Besondersbeliebt unter heiratswilligen Dienstboten war auchdas Liebesorakel: Verschiedene symbolische Hand-lungen sollten ein positives Ergebnis, eine positiveDeutung und somit Hoffnung auf den erwartetenPartner bringen.30
Von heiligen und rauhen Nächten
In Europa werden verschiedene von 13. Dezemberbis 13. Jänner aufeinanderfolgende Tage als„ DieZwölften" oder auch„ die Zwölf Heiligen Nächte"bezeichnet. Sehr häufig sind es die Nächte zwi-schen Weihnachten und Epiphanie, wobei beson-ders der Heilige Abend, die Silvesternacht und derAbend vor dem 6. Jänner durch rituelle Handlungenbesetzt werden. Die Zwölf Heiligen Nächte galtenals Spukzeit, in denen man aufgerufen war, sich zubekehren. Die„ wilde Jagd", Hausgeister, weiblicheDämonen, Werwolf, Schimmelreiter und ähnlicheFiguren tauchen in verschiedenen Gebieten Euro-pas immer wieder in Sagen und Erzählungen auf.Die Menschen versuchten, sich vor diesen Geisternzu schützen, indem sie sich still verhielten, Räuche-rungen im Haus vornahmen, beteten, Arbeits- undSpeiseverbote befolgten.³¹
Aufgrund der Fülle an Themen zu diesem Bereichund einer beinahe unüberschaubaren Menge vonregionalen Eigenheiten unterschiedlichster Mitt-wintergestalten beschränkt sich die Ausstellung,, 2000: Zeiten/ Übergänge" auf einige wenigeErscheinungen der Gegenwart. Welche Terminesind heute noch mit Brauchelementen besetzt?Welche Umzugsgestalten kennen wir? Und auchhier kann wieder nur exemplarisch die eine oderandere Handlung beziehungsweise Gestalt heraus-gegriffen werden. Dieser Ansatz wird nachvollzieh-bar, wenn man bedenkt, daß allein der Altenmark-ter Perchtenlauf, der das nächste Mal im Jahr 2003stattfinden wird, an die zweihundert verschiedeneUmzugsgestalten kennt.
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