dargestellt. Isis war Mutter und Schutzgöttin, Göt-tin der Fruchtbarkeit, Tochter der Erde und des Him-mels, sie war gleichzeitig Schwester und Frau desOsiris, der von seinem Bruder Seth ermordet wor-den war. Die Seele des Osiris wurde Apis genannt,daher bezeichnete man den Kult auch als Osirapisbeziehungsweise Sarapis oder Serapis bei denGriechen und Römern.
In Ägypten waren Osiris, Isis und ihr jungfräulichempfangener Sohn Horus seit dem 7. Jahrhundert v.Chr. Mittelpunkt eines bedeutenden Festes, wel-ches am Ende des ägyptischen Jahres, also nachder Überschwemmungszeit und vor der neuen Aus-saat, gefeiert wurde. Das zwölftägige Fest, das am25. Dezember mit der Geburt des Horus, der neuenSonne, durch die Göttin Isis begann, fand in derNacht vom 5. auf den 6. Jänner seinen Höhepunkt.
Von Alexandria ausgehend verbreitete sich der Isis-kult nach Griechenland, wo er sich schon am Endedes 3. Jahrhunderts v. Chr. etablieren konnte. Dergriechische Geschichtsschreiber Herodot identifi-zierte Isis mit Demeter, der griechischen Göttin desAckerbaus und der Feldfrucht. In Rom wurde derKult von Isis, Horus und Serapis 86 v. Chr. unterdem Konsul Lucius Cornelius Sulla eingeführt unddort zu einer der populärsten Formen der römi-schen Religion. Durch die Zügellosigkeit einigerRiten geriet der Kult in Verruf und nachfolgendeKonsuln versuchten ihn zu verbieten. So ordneteTiberius( 42 v. Chr.- 37 n. Chr.) an, Juden undAnhänger der Isis aus der Stadt zu vertreiben. Mitdem Aufstieg des Christentums in Rom wurde derIsiskult nach und nach zurückgedrängt, die letztender Göttin der Fruchtbarkeit geweihten Tempel wur-den im 6. Jahrhundert n. Chr. geschlossen.13Das ägyptische Fest zu Ehren der drei Gottheiten,das also am 25. Dezember mit der jungfräulichenGeburt der neuen Sonne begann und am 6. Jännerendete, hatte nachhaltigen Einfluß auf das eben-falls am 25. Dezember stattfindende römischeGeburtsfest für den Sonnengott„ Sol Invictus"beziehungsweise auf das hierfür von den Christenals Konkurrenz eingesetzte Fest der Geburt Jesu.Auch der Termin des Festes der Erscheinung desHerrn beziehungsweise seiner Taufe am 6. Jänner-auf welches an anderer Stelle noch näher einge-
gangen wird als Gegenfeier zum Wasserschöpfenaus dem Nil lassen deutliche Parallelen zu unseremWeihnachts- und Epiphaniefest erkennen.
Der Kampf der Kirche
Die Festivitäten und Geschenke zu Neujahr nahmenmit der Zeit für die christliche Kirche bedenklicheAusmaße an. Die Synode von Tours( 567 n. Chr.)ordnete Bittgänge und Sühnegottesdienste amersten Tag des Jahres an, um dem ausgelassenen
Unter den irdischen Qualen finddie Seelenqualen, und unterdiefen die Gewissensbille diegrößten.
( St. Augustin.)
Verlagsanstalt Benziger& Co. A. G. Dip. 3673. Einsiedeln,
Andachtsbild Hl. Augustinus
Ende 19. Jhd.
Erzdiözese Wien, Archiv
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