Zwischen
Mittwinter und Donauwalzer:
der Jahreswechsel kulturhistorisch
Birgit Johler
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Didrachme mit Januskopf218 v. Chr.Kunsthistorisches MuseumWien, Münzkabinett
ROMA
Rückseite:
Jupiter in einer Quadriga, dievon Victoria gelenkt wird.
Was Sache ist
Den Jahreswechsel kulturgeschichtlich einzufangenist kein leichtes Unternehmen, vor allem wennman historischen und gegenwartsbezogenen An-sprüchen gerecht werden will, ländliche und urbaneAspekte gleichermaßen ins Auge fassen möchte.Dies mag vielleicht auch der Grund sein, warum,, Das Weihnachtsfest, eine Kultur- und Sozialge-schichte der Weihnachtszeit" von einer der renom-miertesten volkskundlichen Brauchforscherinnen,also von Ingeborg Weber- Kellermann, bis dato mehroder weniger die einzige umfassende volkskundli-che Arbeit zu diesem Thema geblieben ist. Weber-Kellermann spricht im wesentlichen jene Punkte an,die unseren Jahreswechsel heute ausmachen. Zwarhat vor allem die jüngere Brauchforschung ihrAugenmerk auf die sozioökonomischen und kultur-historischen Zusammenhänge von Fest und Feier imJahreslauf, im Kirchenjahr, öffentlich und privat,gelegt und über die Besetzung von Wendezeitenmit Ritualen nachgedacht. Der direkte Übergang,das Fest Silvester selbst, wurde jedoch wenig bisgar nicht behandelt. Es fand seinen Niederschlagvorwiegend in Festkalendern mit Ortsverzeichnis,für den Tourismus nutzbar gemacht. Auch in derälteren Literatur finden sich kaum verwertbareAngaben über Inhalte der genannten Silvester- undNeujahrsbräuche.
Der Silvesterabend als der konkrete Jahreswechselfällt in die für die historische Volkskunde weitausinteressantere Weihnachts- beziehungsweise Mitt-winterzeit. Den Ritualen, die diese Zeit markieren,hat bereits Jacob Grimm( 1785-1863) besonderesAugenmerk geschenkt und versucht, ihre Konti-nuität- was nicht verwundert- in„ germanischeUrzeiten" zurückzuverfolgen. Umzugsfiguren, Lös-slbräuche, Speiseopfer die Mittwinterzeit boteinen reichen Fundus von angeblich Urtümlichem,was eine Verbindung zu Toten- und Vegetations-kulten naheliegend machte.
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Silvester wird in der Literatur als„ bürgerliches",somit auch als städtisches Fest bezeichnet. Durchdie im 17. Jahrhundert verordnete verbindliche Fest-setzung des Jahresbeginns auf den 1. Jänner, die