wird mit 970203 multipliziert. Dann werden 6 Dezi-malstellen gesetzt und der Rest mit 622,54 addiert.Die Summe zeigt dann das christliche Jahr an, dieDezimalstelle den Tag, allerdings des julianischenKalenders.42 Geht es um die Jahreszahl allein, be-steht folgende Möglichkeit: das islamische Jahr mit3 multiplizieren und durch 100 dividieren, dasErgebnis wieder mit dem Jahr multiplizieren und mit621 addieren, das Ergebnis sollte das christlicheJahr sein.43
Zeit
en. Parallel dazu wurden jene Zeitmeßgeräte ent-wickelt, die die Zeit unabhängig von den Gestirnenzählen: die Uhren.
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Zunächst muß die Frage gestellt werden, was Uhrendenn eigentlich messen. Jede Uhr- mit Ausnahmeder Sonnenuhren basiert auf dem Fortlaufeneines Vorgangs, das eventuell in Perioden oderRhythmen eingeteilt wird und das unabhängig vomSonnen- oder Mondlauf ist. Konkret: eine Wasser-uhr miẞt das Fließen des Wassers, eine Sanduhrdas des Sandes, eine Sternuhr das scheinbare Fort-laufen der Fixsterne, eine Räderuhr das Absinkender Gewichte, eine Atomuhr die Zustandsänderun-gen von Caesium. Es sind dies vom Lauf der Sonneund des Mondes unabhängige Größen, die jedochmit diesen dadurch verknüpft sind, daß ein Tag( sowird eine Umdrehung der Erde um die eigene Achsenun einmal genannt) in kleinere Abschnitte, näm-lich Stunden eingeteilt wird. Die Stunden werdenwiederum von den Uhren angezeigt, weil sie zu die-sem Zweck konstruiert wurden( theoretisch könn-ten sie auch ganz andere Zeitabschnitte anzeigen).Hieraus ergibt sich eine weitere Frage, nämlich dienach der Zeit an sich. Wenn Uhren Abschnitte mes-sen, die wir ihnen vorgeben, was ist dann die Zeit?Ist Zeit wirklich am Lauf der Sonne und des Mondesorientiert? Damit wären wir bei einer Diskussion,die sich von der Antike bis heute durch Philosophieund Naturwissenschaften zieht 46 und die hier nichtweiter verfolgt werden soll. Grundlegend ist, daßdie Jahre nach der Sonne oder nach dem Mondgezählt werden, die Jahre in Tage eingeteilt werden
Einen reinen Mondkalender zu besitzen, bedeutetauch, den Umlauf der Erde um die Sonne und diejahreszeitlichen Rhythmen nicht einzubeziehen. Esergibt sich eine kontinuierlich fortlaufende Zeit.Dies könnte ein Grund dafür sein, daß das islami-sche Neujahr, das ra's al-' âm, nicht gefeiert wird.Dies gilt für beinahe alle islamischen Gruppen undStaaten, wobei mitunter andere Neujahrsfestebegangen werden wie das Nou- rûz am 21. Märzgregorianischen Kalenders im Iran, das aus sassa-nidischer, also vormohammedanischer Glossar ::: zum Glossareintrag vormohammedanischerstammt44, oder der 31. Dezember in der Türkei, dervon Europa und Amerika übernommen wurde. Dafürfällt an den Anfang des ersten Monats im Kalender,des Muharram, das Fest Ashûrâ, der höchste schi-itische Feiertag. Mit Prozessionen und Passions-spielen wird des Prophetenenkels Husayn gedacht,der 680 bei Kerbala fiel. Auch für die Sunniten istder 10. Muharram ein Tag der Besinnung und desFastens, den Mohammed selbst festsetzte. Der letz-te Monat im Jahr, der Dû'l- hiğğa, wird als der geeig-nete Monat für die Pilgerfahrt nach Mekka empfun-den, ist daher auch herausragend.45 Aber ein Festzum Jahreswechsel gibt es nicht, was auch bedeu-tet, daß alle kulturellen Phänomene, die einen Jah-reswechsel begleiten, wie die Schwellensituationoder der Übertritt in eine neue Periode, im Islamnicht gegeben sind.
Exkurs II: Stunden und Uhren
Die Bestimmung und Zählung der Jahre und ihreEinteilung basiert, wie an anderer Stelle ausge-führt, auf dem Lauf der Gestirne, vor allem derSonne und des Mondes. Das Festhalten der Jahres-zählung erfolgt mittels Kalendern oder Almanach-
was beides in Kalendern oder Almanachen Aus-druck findet-, diese in Stunden, die wir wiederumvon Uhren anzeigen lassen und von diesen able-sen47. Ob Zeit nun ,, tatsächlich" existiert oder nicht,ist nicht die Kernfrage einer Kulturwissenschaft.Wichtig ist die Tatsache, daß Zeitmeßgeräte erfun-
HAUG
N31
HOFME
Sternuhr, Wien Ende 19. Jhd.Technisches Museum Wien
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