erfunden. Auf der Rückseite der Blätter schon derersten Exemplare waren Rezepte, Tips oder Sprich-wörter aufgedruckt. Seit Ende des 19. Jahrhundertswurden eigene Kalender speziell für Werbezweckeproduziert. In Deutschland werden heute etwa 80Millionen Kalender jährlich erzeugt, davon sind 80Prozent Werbegeschenke.26
Heute sind neben den Werbekalendern und dekora-tiven Wandkalendern mit Bildern hoher Druckqua-lität, Kalender mit wenig Zusatzinformationen inGebrauch, die viel Platz für eigene Eintragungen zurTerminkoordination bieten und helfen, die Zeit zuorganisieren.27
Kokarden und Fabriken: der französische undder sowjetische Revolutionskalender
Der gregorianische Kalender ist allgegenwärtig,aber nicht widerspruchslos akzeptiert. Vor allemaus Wirtschaft und Verwaltung werden immer wie-der Klagen über die Defizite laut, die besonders anden Schaltjahren, an der unregelmäßigen Tagesan-zahl der Monate, an der Nichtbeachtung des Dezi-malsystems und an den Wochentagen, die unab-hängig von Monaten oder Jahren fortlaufen, festge-macht werden. All diese Gegebenheiten erschwe-ren Statistiken und Berechnungen. Auch im Rah-men der UNO wurden etliche Änderungsvorschlägediskutiert, bisher aber jeder Versuch einer Neuor-ganisation abgelehnt. 28 Werden die kulturellenImplikationen und der organisatorische Aufwandbedacht, scheint eine Kalenderreform in nähererZukunft mehr als unwahrscheinlich.
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Kathrin Pallestrang
Der hundertjährige Kalender des Mauritius Knauer
Ein Kalender wurde seit seinem ersten Erscheinen immer wieder aufgelegt, floẞ in andere Kalender einund ist bis heute in vielen Haushalten zu finden: der Hundertjährige Kalender des Mauritius Knauer.1664 gab Abt Dr. Mauritius Knauer aus Franken den ,, Beständigen Hauskalender" heraus, der vor allemBauern Hilfestellungen zur Wetterprognose bieten sollte. Der Arzt Christoph Hellwig edierte diesenKalender im Jahre 1701, der Erfurter Buchhändler Weinmann gab ihm 1721 den Namen„, Hundertjähri-ger Kalender", was mit seinem Inhalt nur bedingt übereinstimmte, seinen Absatz aber förderte. Knau-er war von Wetterbeobachtungen ausgegangen, die er über sieben Jahre hinweg angestellt hatte. Erverzeichnete das Wetter in Franken und brachte diese Aufzeichnungen, das„, Partikularwetter", wie eres nannte, mit seinen astronomischen Beobachtungen in Verbindung. Er ordnete jedem Jahr einen,, Planetenherrscher" zu, nämlich Sonne, Mond, Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Diese Plane-tenherrscher wurden mit bestimmten Wettererscheinungen in Verbindung gebracht. Beispielsweisesind Jupiterjahre warme, nasse Jahre, Saturnjahre dagegen kalte und strenge; das Jahr 2000 ist übri-gens ein Saturnjahr. Knauer verzeichnete auch Mondphasen, Tierkreiszeichen, Kometen und ähnlichePhänomene, die seiner Meinung nach das Wetter beeinflussen. Diese Konstellationen zusammen erge-ben dann das tatsächliche Wetter, das auf diese Weise für jedes beliebige Jahr berechnet werden kann.Allerdings sind laut Knauer Störungen- etwa durch Hexen- nie auszuschließen. Knauer beginnt dasJahr mit dem Frühlingsäquinoktium, also im März. Auch andere Kalender führten Zukunfts- und Wet-terprognosen als feste Bestandteile, wenn dies auch vor allem in der Aufklärung immer wieder ange-prangert und verboten wurde. Nach wie vor sind Wetterregeln und Lostage in verschiedenen Kalendernder Gegenwart zu finden.
1 Allgeier, Kurt: Der 100jährige Kalender. Nach Abt Mauritius Knauer. München 1997; Wendorff, Rudolf: Zeit undKultur. Geschichte des Zeitbewußtseins in Europa. Wiesbaden 1980, S. 145.