rechnung, von denen einer der erwähnte Circum-cisionsstil war, der überregional im Handel und vonAstonomen verwendet wurde. Nach dem Weih-nachtsstil beginnt das Jahr am 25. Dezember, dasÄltrömische Neujahr fängt am 1. März an. Der Annu-tiationsstil setzt den Jahresanfang mit Mariä Ver-kündigung( annuntiatione) am 25. März, der Kon-zeptionsstil mit Mariä Empfängnis( conceptione)am 8. Dezember, wobei beide als Inkarnationsstileanzusehen sind. Von„ anno gratiae" wird gespro-chen, wenn Christi Himmelfahrt der erste Tag imJahr ist, und mitunter wurde das Jahr mit Ostern,also mit der Auferstehung angefangen; beides Ter-mine, die nicht fix sind, sondern sich mit dem Mondverschieben.
Das Altrömische Neujahr war noch im Frühmittel-alter üblich, einzig in Venedig wurde es bis etwa1797 verwendet. In vielen, aber nicht allen,deutschsprachigen Gebieten wurde der 25. Märzals Anfang genommen. In Köln zum Beispiel beganndas Jahr zu Ostern. In England waren Weihnachts-stil und Annutiationsstil gleichermaßen gebräuch-lich, in Frankreich wurde das Jahr in vielen Gebietenmit dem 25. März begonnen, ab dem 11. Jahrhun-dert einheitlich mit Ostern, in seinen englischenGebieten jedoch mit Weihnachten. In Italien zähltejede Stadt anders, wobei der Weihnachts- und derAnnutiationsstil vorherrschten. 16 Die große Ver-schiedenheit der Jahresanfänge machte Umrech-nungstabellen notwendig und Terminvereinbarun-gen schwierig. Erst durch eine Verordnung vonPapst Innozenz XII im Jahr 1691, in allen christlichenGebieten den Jahresanfang mit 1. Jänner festzuset-zen, verloren andere Neujahrstermine ihre Bedeu-tung.7
Der Umstand, daß die julianische Schaltjahrrege-lung ungenügend war und das Jahr sich gegenüberden Jahreszeiten verschob, veranlaßte rund einJahrhundert vor Innozenz Papst Gregor XIII, eineschon von seinem Vorgänger ins Auge gefaßteKalenderreform 18 in die Tat umzusetzen. Er beauf-tragte den Mathematiker Luigi Lillio aus Calabrien,eine Lösung für das Problem zu finden. Dessen Bru-der Antonio übernahm die Aufgabe nach Luigis Todim Jahre 1576. Die ausgearbeiteten Reformvor-schläge sandte der Papst zur Begutachtung an Re-
genten und Universitäten in ganz Europa. Als diesedie Reform guthießen, setzte Gregor eine Gelehr-tenkommission ein, die Erlässe für die Umsetzungfestlegen sollte. In der Bulle„ Inter gravissimas"( wie jede Bulle benannt nach ihren Anfangsworten)erließ der Papst schließlich im März 1582 dieReform, die folgende Veränderungen brachte: jedesvierte Jahr sollte ein Schaltjahr sein; Jahre, diedurch 100 ohne Rest teilbar sind, werden ausge-nommen. Davon wiederum werden jene Jahre aus-genommen, die auch durch 400 teilbar sind- alsoist das Jahr 2000 ein Schaltjahr. Der so entstandeneKalender ist nur mehr um 26 Sekunden länger alsdas natürliche Jahr, was nach 3300 Jahren eine Dif-ferenz von einem Tag ergeben wird. Auf diese Weisegelang es, die Äquinoktien relativ konstant an dieeingangs genannten Daten zu knüpfen. Um aber dieFrühlings- Tag- und- Nacht- Gleiche wieder in dieNähe des 21. März zu bringen, wurde in der Bulleverordnet, einmal zehn Tage in der Zählung auszu-lassen und daher auf den 4. Oktober 1582 unmittel-bar den 15. Oktober 1582 folgen zu lassen. Obwohlin der Bulle auch Strafen für das Nichteinhalten derReform angeführt wurden, dauerte es einige Zeitbis der Kalender tatsächlich in allen christlichenLändern umgestellt war, wovon ein reger Brief-wechsel zeugt, der erst zum Teil publiziert ist.19 Wasgroße Sorgen bereitete, war der Umstand, daßdurch den Datumssprung etliche Heiligenfeste aus-fallen mußten, was in der Bulle angesprochen,doch nicht befriedigend gelöst wurde. Wie also dieUmstellung konkret zu bewerkstelligen sei, warnicht sofort allen Bischöfen und Pfarrern klar, wes-halb es zum Teil zu erheblichen Verzögerungenkam. Bereits 1582 führten Italien, Spanien, Portu-gal und Frankreich den„ Neuen Stil", also den gre-gorianischen Kalender, ein. Die katholischen deut-schen Gebiete wechselten den Kalender 1583, dasErzherzogtum Österreich 1584, wobei einige Gebie-te schon umgestellt hatten. Es folgten Polen( 1586)und Ungarn( 1587).
Die protestantischen Gebiete wollten sich zunächstüberhaupt nicht nach einem Kalender richten, dervon einem Papst in Rom initiiert worden war. Siebehielten vorläufig den„ ,, Alten Stil" bei. Da sich derNeue Stil aber als zweckmäßiger erwies, stellten
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