sechs Monate mit 29 und sechs Monate mit 30Tagen eingeteilt, was also insgesamt 354 Tage proJahr ergibt und Lunisolarjahr genannt wird. Soll dasMondjahr nicht nur an die Länge, sondern auch anden Verlauf der Jahreszeiten gebunden werden,werden von Zeit zu Zeit Schalttage oder ein ganzerSchaltmonat eingefügt, wie es etwa bei der jüdi-schen Zeitrechnung der Fall ist.
Beim gregorianischen Kalender, der heute interna-tional in Verwendung ist, wurde überhaupt auf eineÜbereinstimmung verzichtet. Die Monate, die dasJahr einteilen, sind reine Sonnenmonate, wasbedeutet, daß sie mit dem tatsächlichen Lauf desMondes nicht übereinstimmen.4
Bleibt noch, die Herkunft der Woche anzusprechen.Sie hat keinerlei natürliche Grundlagen, sondern isteine kulturelle Setzung, deren Anfänge nicht ganzgeklärt sind. Ein Sieben- Tage- Rhythmus ist in baby-lonischen Schriften erwähnt, wobei dessen Bedeu-tung unklar ist. Einen besonderen Stellenwert hatdie Woche jedenfalls in der jüdischen Tradition,wonach Gott die Welt in sieben Tagen erschaffenhat. Auch die Römer teilten die Tage in Wochen ein,jedoch bis zu Kaiser Augustus mit einer Länge vonacht Tagen, die mit Buchstaben bezeichnet wurden.Die Christen übernahmen schließlich die Sieben-Tage- Woche und verbreiteten sie weltweit.5 Interes-sant dabei ist, daß die Wochen über die Monateund die Jahre gelegt werden, ohne darauf zu ach-ten, ob ein Jahr oder Monat mit dem ersten Tag derWoche beginnt- sprich, der erste Tag eines Monatsoder Jahres ist nicht immer ein Montag. Dies zuändern war eines der Ziele verschiedener Kalender-reformen, auf die noch eingegangen werden wird.
Olympia und Caesar:
Die Zeitrechnungen der Griechenund der Römer
Die Zeitrechnungen der Antike entstanden nichtvöllig unabhängig voneinander, doch setzte jedeKultur eigene Akzente. Die genaue und auch kom-plizierte Zeitbestimmung in Ägypten beeinflußteunter anderem die Griechen. Die Unabhängigkeitder griechischen Stadtstaaten bedingte, daß jedePolis eine eigene Zeitrechnung besaß. Einheitlich
war der Kalender insofern, als- neben anderenMöglichkeiten- anhand der Reihenfolge der Magi-stratspersonen einer Stadt, den Archonten, gezähltwurde. Etliche dieser Archontenlisten sind über-liefert.
Das Jahr der Griechen war in zwölf Mondmonateeingeteilt, die jeder Stadtstaat anders benannte,und so seine Unabhängigkeit und Souveränitätzeigte; mehr als 300 verschiedene Monatsnamensind überliefert. Da etliche wichtige Feste jahres-zeitlich gebunden waren, war es notwendig, dasMondjahr in Übereinstimmung mit den Jahreszeitenzu halten. Verschiedene Versuche, dies zu bewerk-stelligen, sind überliefert. Schließlich erwies sichder Vorschlag des Astronomen Meton, der um 432v. Ch. lebte, als der zweckmäßigste. Er berechnete,daß die dünne Neumondsichel nach 19 tropischenJahren und zwei Stunden wieder am selben Tag desJahres am Himmel erscheint. Während dieser 19Jahre treten 235 Neumonde auf, weshalb einMeton'scher Zyklus aus 235 Mondmonaten be-steht, die in zwölf Jahre mit zwölf Monaten und sie-ben Jahre mit 13 Monaten eingeteilt werden. DerZyklus wurde, um seine Genauigkeit zu verbessern,später auf 76 Jahre erweitert( callippischer Zyklus)und schließlich vom Astronom Hipparch( um 190 bis120 v. Ch.) mit 340 Jahren festgesetzt.
Die Goldene Zahl eines Jahres gibt nun an, an wel-cher Stelle im Meton'schen Zyklus dieses Jahr steht.Der Meton'sche Zyklus und damit die Goldene Zahlwurden später von den Christen verwendet, um dasOsterdatum vorauszuberechnen. Dadurch wurde dasErstellen von Ostertafeln, von Verzeichnissen desOsterdatums künftiger Jahre möglich. Noch heute istdie Goldene Zahl in Verwendung: sie findet sich alsBestandteil des Jahreskalendariums in Hauskalen-dern. Errechnet wird sie in Bezug auf die christlicheZeitrechnung folgendermaßen: zur gegebenen Jah-reszahl wird 1 addiert, die Summe durch 19 dividiert.Das Ergebnis( ohne Kommastellen) gibt nun an, wieviele Zyklen seit Christi Geburt vergangen sind, derRest sagt, das wievielte Jahr das betreffende im lau-fenden Zyklus ist. Das Jahr 2000 ist zum Beispiel dassechste Jahr im 105. Zyklus. Wie groß die Bedeutungder Goldenen Zahl im antiken Griechenland war, läßt
13