bedingen, wie die Rites de Passage, und eine Wirk-macht besitzen können, die vielfältig einsetzbar ist.
Sonne, Mond und Erde:
natürliche Voraussetzungen der Zeitrechnung
Die Erde läuft auf einer elliptischen Bahn um dieSonne. Die Zeit, die vergeht, bis sie einen Umlaufvollzogen hat, wird Jahr genannt. Diese Zeitperiodeläßt sich ebenso an den Fixsternen ablesen, andenen die Erde während ihres Umlaufs vorbeizieht.Ein Jahr läßt sich auch bestimmen, wenn manannimmt, daß es die Sonne und die Sterne sind, dieum die Erde herum laufen, wie es vor der allgemei-nen Akzeptanz des heliozentrischen Weltbildes derFall war: Im Laufe eines Jahres zeigen sich wech-selnde Sternbilder am Himmel, die scheinbareBahn der Sonne über den Himmel, die Ekliptik, ver-schiebt sich, und der Einfallswinkel der Sonnen-strahlen ändert sich, wodurch die Jahreszeiten ent-stehen. Dies geschieht, weil die Bahn der Erde umdie Sonne zum Erdäquator beziehungsweise Him-melsäquator geneigt ist, so daß die Sonne schein-bar zwischen dem Äquator und den Wendekreisenhin und her wandert.
Kompliziert wird es nun dadurch, daß die Bahn derErde um die Sonne und die Drehung der Erde umihre Achse, wonach die Tage bemessen werden,nicht aufeinander abgestimmt sind: wenn die Erdenach einem Sonnenumlauf wieder am gleichenPunkt angelangt ist, hat sie keine volle Zahl vonDrehungen um die eigene Achse ausgeführt, dieletzte Drehung ist noch nicht vollendet. Das bedeu-tet, daß ein Jahr nicht in ganze Tage eingeteilt wer-den kann. Ein sogenanntes tropisches Jahr umfaßt365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45 Sekunden- sofern man jeden Tag in 24 Stunden und jedeStunde in 60 Minuten unterteilt. Das tropische Jahrist jene Zeit, die vergeht bis die Sonne wieder angenau der gleichen Stelle am Himmel steht.
In vielen Zeitrechnungen wird als Basis der Zählungaber nicht das tropische Jahr, sondern ein Sonnen-jahr mit gerader Taganzahl genommen. Dies ist derGrund für die Notwendigkeit von Regulatoren wiedem Schaltjahr: Der Zeitüberschuß wird gesammelt
und dann auf einmal angehängt, indem ein voller Tag
eingeschoben wird. Es besteht daneben die Möglich-keit, den Überschuß nicht zu berücksichtigen, was,, bewegliches freies Sonnenjahr" genannt wird undetwa in Ägypten in Verwendung war. Nach einemZyklus von 1500 Jahren stimmt das tropische Jahrwieder mit dem durchschnittlichen Jahr überein.¹
Aus den oben angedeuteten kosmischen Voraus-setzungen ergeben sich vier Punkte im Jahr, die vonvielen Kulturen als wichtig erachtet wurden undwerden: die Sonnwenden( Solstitien) und die Tag-und- Nacht- Gleichen( Äquinoktien). An den Äqui-noktien sind, wie der Name schon sagt, Tag undNacht gleich lang, weil hier die Ekliptik genau verti-kal zur Erdachse steht. Als Sonnwenden werdenjene Punkte bezeichnet, an denen der kürzeste Tagbeziehungsweise die kürzeste Nacht eintreten undsich das Verhältnis von Tag und Nacht ab hier wie-der umkehrt.
Die Äquinoktien fallen nicht immer genau auf den-selben Tag, sie liegen um den 21. März und um den23. September, die Solstitien um den 21. Juni undum den 21. Dezember.2 Diese Daten gelten für unsheute als die offiziellen Beginntage der Jahreszei-ten, die sich nicht ändern und damit unabhängiggeworden sind von der Himmelsbeobachtung. EinBlick in einen Kalender genügt. In agrarisch orien-
Januar.
Wenn Schnee und Wind an Fenstern toben.Wird uns im Stäbchen leicht,Und am Clavier das Herz erhoben.Bis jeder Sturm entweicht
July.
Auf allen Wiesen
das hohe
A Blumen recheUnd munter seht ihr dort das froheVolk, sichelnd sich bemühn.
Aus einer Serie von zwölf Monatsbildern für Kinder, 19. Jhd.Historisches Museum der Stadt Wien, Studiensammlung
11