Vorwort
Franz Grieshofer
Niemand kann sich dem Silvester entziehen. Auchwer ihn schlafend verbringt, wird am nächsten Mor-gen merken, daß ein neues Jahr begonnen hat- eswird ihm am Abreißkalender der 1. Jänner entge-genprangen und von überall her ein Prosit Neujahrentgegenschallen. Es nützt nichts, sich der allge-meinen und kommerziell produzierten Lustigkeit,sei es auf der Straße oder im Fernsehen, zu verwei-gern, man wird bereits Wochen vorher durch Ausla-gendekorationen und durch die Werbung daraufhingewiesen. So unterschiedlich nach Tempera-ment und Alter, nach sozialer oder religiöserZugehörigkeit der Silvester auch begangen wird, erstellt eine kulturelle Realität dar. Selbst jene Indivi-dualisten, die den Silvester auf besonders originel-le und außergewöhnliche Art feiern, unterliegen mitdiesem Verhalten gerade erst recht gesellschaftli-chen Zwängen.
Der Sivester ist also unausweichlich. Aber nicht, weileine innere Uhr in uns tickt, die sagt, am 31.12. istSilvester, sondern weil man sich- von Europa ausge-hend- darauf geeinigt hat, das neue Jahr mit dem 1.Jänner beginnen zu lassen. Mit der weltweiten Über-tragung des Neujahrskonzertes leistet Österreichübrigens dazu einen charmanten Beitrag.
Zu Silvester 2000 ist die Aufgeregtheit natürlichbesonders groß. Auch das Österreichische Museumfür Volkskunde meldet sich hier zu Wort und gehtanläßlich des Jahreswechsels 1999/2000, der nichtnur ein neues Jahrhundert, sondern auch( wennauch nicht ganz korrekt) ein neues Jahrtausend ein-läutet, in einer Ausstellung der Frage nach, wiesodie Zahl 2000 eine derart magische Wirkung ausübtund welchen Stellenwert Jahresanfänge in unsererKultur besitzen.
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