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Ausstellung Österreichische Trachten in der Volkskunst und im Bilde : Katalog
Entstehung
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Einführung

Die anläßlich der 950- Jahre- Gedenkfeier Österreichs ver-anstaltete Ausstellung versucht einen Überblick über die Mannig-faltigkeit der österreichischen Volkstrachten zu geben. Im Gegen-satz zu der sonst üblichen Art, die Trachtenstücke des musealenBesitzes auszustellen, sind hier die verschiedenartigen Spiege-lungen der volkstümlichen Kleidung in der Volkskunst undin der volkstümlichen bildenden Kunst aufgewiesen,soweit das Museum für Volkskunde dafür Zeugnisse besitzt. DieseDarstellungen bieten für die Kenntnis der Tracht den großen Vor-teil, nicht Einzelstücke aus einem bestimmten Individualbesitz zuzeigen, sondern durch das Medium der Beobachtung und der bild-nerischen Tradition zu einer gewissen allgemeineren Gültigkeit ge-steigerte Trachtengestalten. Diese Eigenart läßt sich beiden drei formalen Hauptgruppen der Ausstellung deutlich kon-statieren. Am individuellsten gestaltet sind außer den Porträts dieZeugnisse der persönlichsten Gruppe der Volkskunst, nämlich dieVotivtafeln und verwandte Bildnereien. Hier, wo der in Notbefindliche Mensch sich an seine Helfer wandte, ließ er es durchden Künstler unter Beobachtung einer möglichst hohen Verdeut-lichung seiner Persönlichkeit darstellen; die Trachtendarstellungenauf den Votivbildern zeichnete sich daher durch besondere Wirk-lichkeitstreue aus. Die künstlerische Abbildung, das Trachten-bild im engeren Sinn, das in der Ausstellung von den Hand-werkerbildern des 16. Jahrhunderts bis zu den Lithographen undMalern des späten Biedermeier zu verfolgen ist, stellt eine andereArt und einen anderen Grad der Wirklichkeitsabbildung dar. Hiersteht meist der städtische Künstler seinem bäuerlichen Modell miteiner gewissen Objektivität gegenüber, welche sich wohl in derSpanne zwischen liebevoller Zuneigung und Satire breit entfaltenkann, immer aber Anhalte aus der geschauten Wirklichkeit wieder-gibt. Die dritte Gruppe endlich ist die Darstellung auf derKeramik, auf Glas und sonstigen Gerätstoffen, wie die plastische,besonders kleinplastische Gestaltung von Trachtenfiguren. Überallwird hier die Wirklichkeit im Betrieb der halb bäuerlichen, halbhandwerkerlichen Hausindustrie durch das Medium der Vorlagengeschaut. Besonders die Keramik ist weitgehend von Vorzeich-nungen abhängig, aber auch von den Motiven der Porzellanmalereiusw. Dennoch wird den trachtlichen Motiven mit Verständnis nach-