EINLEITUNG
Eigenständige Volkstrachten mit ihren besonderen schichten-gebundenen, kulturgeschichtlichen und landschaftstypischen Ausfor-mungen sind in dem für die Volkskundewissenschaft gut überschau-baren Zeitraum von der frühen Neuzeit bis an die Schwelle der Gegen-wart ein bedeutender Bestandteil des Volkslebens gewesen. Das vonder bäuerlichen und bürgerlichen Bevölkerung zu Arbeit, Alltag undFest getragene herkömmliche Kleid hat Kultur und Tradition des Volkesmitbestimmt. Bereits im späten 18. Jahrhundert haben die malerischeWirkung und die eigenartigen Stilisierungen der Trachten der ver-schiedenen Völker und Stämme im alten Europa das Interesse der,, gebildeten Welt", der zeitgenössischen Reisenden und der frühenVolksforscher auf sich gezogen. Die ,, Nationaltrachten" wurden alskennzeichnend für ein Land oder eine Gegend angesehen. Die späterewissenschaftliche Volkskunde hat darüber hinaus gelernt, den ge-schichtlichen Werdegang der Volkstrachten zu erkennen. Beide Ge-sichtspunkte die kulturräumlich- landschaftlichen Besonderheitenund die kultur- und kleidergeschichtliche Entwicklung bildeten denLeitgedanken bei der Auswahl von Gegenständen und Zeugnissen wieauch bei der schaumäßigen Darbietung der ,, Volkstrachten aus Süd-tirol". Hinzu tritt der sozialgeschichtliche Aspekt, wie er sich in denberuflichen, rechtlich- sozialen und brauchmäßigen Besonderheiten derVolkstracht äußert: Er wird sichtbar beispielsweise im Arbeitskleid derBauern, Hirten, Sennen und Jäger, in der merkwürdigen Ausstattungdes ,, Saltners", des bekannten Feld- und Weinberghüters im südtiroli-schen Burggrafenamt und im Vinschgau, und auch in der Paradetrachtder Passeier Schildhofbauern, im feiertäglichen weißen Mantel derBozner Bürger, die einen Besitz am Ritten haben, wie auch im fest-lichen Gepränge der bäuerlichen Brautleute etwa in Kastelruth oder imGrödnertal.
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Wie es im Untertitel zur Sonderausstellung ausgeführt wird, solldem Betrachter ein dreifacher Zugang zur Kenntnis und zum Verständ-nis zu den ,, Volkstrachten aus Südtirol" eröffnet werden. ,, Alte Bild-quellen", wie die Volkskunde sie in den Trachtendarstellungen aufden gemalten Votivtafeln aus den Wallfahrtskirchen und-kapellen desLandes, in den Bildnissen von Bauers- und Bürgersleuten und in denvor allem im späten 18. und im 19. Jahrhundert sehr beliebten Trach-
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