den Liebesroman des Pleyer, der sich Tandareis und Flordibel nannte, und übertrugihn ins Tschechische; ebenso wurden der kleine und der große Rosengarten übersetztoder nachgedichtet. Mag bei anderen Werken nicht feststehen, ob sie deutsche Vorlagenbenußen oder auf lateinischen, bzw. französischen Quellen beruhen, wie bei den alt-tschechischen Legenden, beim Trojanerkrieg oder dem Apolloniusroman, daran kannkein Zweifel sein, daß der Antrieb zur Nachbildung von der deutschen Dichtung aus-gegangen ist. Auch die alttschechische Lyrik zeigt klar und deutlich den deutschen Ein-fluß, schon in der äußeren Form der Gedichte tritt er unverkennbar zutage.
Die deutsche Dichtung des 13. Jhs. war eine hösische Dichtung, eine bemerkens-werte Nachblüte, erfüllt von der Gedankenwelt einer vergangenen Zeit. IhreSprache war eine Literatursprache, weit entfernt von der tatsächlich gesprochenenMundart, die nur leise durchklingt. Mit dem Erlöschen des Przemyslidengeschlechtes( 1306) brach auch diese Dichtung ab. Die ritterlichen Ideale der Staufenzeit sindverklungen. Bürgerliche Auffassung und bürgerliche Formen sind an ihre Stellegetreten. Die hösische Literatursprache stirbt ab, die Mundart dringt stärker empor,die Schreibung verwildert. Die deutsche Dichtung verarmt. In der Hauptstadthaben wir einen bürgerlichen Sänger zu verzeichnen, Mühlich von Prag, ein deutscherBürger dieser Stadt. Nur wenige Lieder teils weltlichen, teils geistlichen Inhaltessind von ihm erhalten; erfreulich, daß bei einigen die Singweise überliefert ist.Mehrere Klosterbrüder treten mit Dichtungen auf, ohne besondere Begabung zuentwickeln; erwähnen wir das Lob auf Maria des grauen Mönches zu Pomuk, daser das„ Blümel" genannt hat.
Dieser Zeit des Überganges gehört auch Heinrich von Mügeln an, der noch in derVergangenheit wurzelt, aber auch Züge des Neuen trägt. Er ist wohl nach demStädtchen Mügeln bei Pirna benannt, kam unter König Johann nach Böhmen, aufden er ein Loblied gedichtet hat, und weilte auch noch unter Karl IV. in Prag. DemKaiser hat er sein Hauptwerk, der Meide Kranz, gewidmet, eine allegorische Dichtung,in welcher die 12 Künste als Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrauen vor den Kaiser treten und die Frage erörtertwird, welcher der Preis gebührt, der schließlich der Theologie zufällt. Außerdem verfaßteHeinrich zahlreiche Lieder, Sprüche und Fabeln, geistliche und weltliche Gedichte, beidenen schwer zu sagen ist, was davon in Böhmen entstand. Denn Heinrich weilte auchin Ungarn und in Wien bei den Schwiegersöhnen Karls- hier hat er eine lateinischeund eine deutsche Ungarnchronik geschrieben und ist auch sonst weit herum ge=kommen. Seine dichterische Begabung wird durch Gelehrsamkeit verdorben. In derLyrik leitet er vom Minnesang zum Meistersang über: die Meistersänger nanntenihn einen der 12 Begründer ihrer holdseligen Kunst. Er ist einer der Hauptvertreterder didaktisch- theosophischen Richtung jener Zeit. Von seiner gelehrten Bildung zeu-gen die Übersetzungen seiner älteren Jahre: 1369 verdeutschte er das lateinische Ge-schichtswerk des Valerius Marimus und früher oder später die Psalmen mit denErläuterungen des Nikolaus von Lyra; hievon machte Johannes aus Hof 1371 dem
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