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Die Entstehung und sagengeschichtliche Bedeutung des Seifridsliedes
Entstehung
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Eines Tages, als die Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau gerade im Fenster steht, kommt einfeuriger Drache geflogen und schwingt sich mit ihr in die Lüfte.

Er führt sie auf einen hohen Felsen, den Drachenstein. AnSpeise und Trank fehlt's ihr dort nicht; denn der Drache hat sielieb. Gern legt er seinen Kopf in ihren Schoß. An einem Oster-tage erhält er seine menschliche Gestalt wieder und eröffnet ihr,heute in fünf Jahren schlage für ihn die Erlösungsstunde. Dannwerde er sie heiraten und mit ihr zur Hölle fahren.')

Nun lebte zur selben Zeit ein stolzer Jüngling. Seifrid hieß erund war eines Königs Sohn. Da dieser eines Morgens auf die Jagdreitet, führt ihn einer seiner Bracken auf die Spur 2) des Drachen.Er folgt ihr an vier Tage und gelangt zum Drachensteine.

Da wird es finster um ihn her. Seifrid verzweifelt schondaran, jemals wieder aus diesem dunklen Walde hinauszugelangen,als der Zwerg Eugel erscheint. Sein Roß ist kohlschwarz, seinGewand von Seide, und auf dem Kopfe trägt er eine kostbare Krone.Er mahnt Seifrid umzukehren. Auf dem Felsen vor ihnen hausenämlich ein furchtbarer Drache, der neulich eine Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau geraubthabe, Kriemhild, König Gibichs Tochter. Da stößt Seifrid sogleichsein Schwert in die Erde und schwört drei Eide, er wolle die Jung-frau Glossar ::: zum Glossareintrag frau erlösen. Eugel soll ihm dabei helfen. Doch der Zwerg hatzu große Angst und bittet, ihn zu entlassen. Seifrid droht ihm,und als das nicht hilft, packt er ihn beim Haare und schlägt ihnso kräftig an den Felsen, daß seine reiche Krone zerbrochen zu Bodenfällt. Nun ist Eugel bereit, Seifrid mit Rat und Tat beizustehen.³)

¹) Hier scheinen zwei Vorstellungen vom Wesen des Drachen verschmolzenzu sein. Einmal ist er ein verwunschener Mensch, wie sie das Märchen kennt,der nur von einer Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau erlöst werden kann, vgl. Panzer S. 22. Dannaber erscheint er wieder als Teufel, den man sich häufig unter der Gestalteines fliegenden Drachen vorstellte, vgl. z. B. Grimm, Mythologie II S. 833 f;Fr. Ranke, Die deutschen Volkssagen S. 160; KHM 125. Von Interesse sindferner HS Str. 104, 105 und der nur im Munde eines Teufels zu verstehendeHohn Str. 27, 7/8.

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2) Daß ein Flugdrache eine Spur hinterläßt, erscheint auf den erstenBlick undenkbar. Doch darf man wohl auf p c. 105 verweisen. Dort sehenDietrich und Fasolt einen großen Flugdrachen. Er flog nahe über die Erdehin, und wo sie nur seine Klauen berührten, da war es, als wenn mit demschärfsten Eisen gehauen wäre. In seinem Maule hatte er einen Mann.Nachher wird allerdings dies niedrige Fliegen erklärt. Obwohl nun dieserDrache groß und stark war, so ging es dennoch über seine Kraft, einen Mannmit Waffen zu tragen, und er vermochte sich nicht in die Luft zu erheben, umzu fliegen, noch sich zu wehren, wie wenn er ledig gewesen wäre." Eine solcheErklärung fehlt freilich im HS, doch bedenke man, daß Seifrid die Spur imhohen Gebirge findet( Str. 36, 6).

3) Str. 58, 7 ist doch wohl zu lesen: Des walt deyn doch der Teuffel!"Vgl. Grimms Wörterbuch XIII Sp. 1380 I. Y.