16
innigsten Vereinigung bestimmten Wesen durch die Brutalität des Schicksals auseinander-gerissen werden. Und in einem Teile der ältesten nordischen Quellen leidet Brynhildfurchtbar unter dieser Trennung, doch Siegfried nirgends. So ist nicht die Tragik,sondern die Eifersucht in der altnordischen Dichtung zum Ausdruck gekommen. Ja, soweit ist die alte Sage von der Empfindung eines tragischen Schicksals entfernt, dass siebemüht ist, alle die Elemente, auf denen sich das Gefühl des Tragischen hätte aufbauenlassen, zu beseitigen und zu verwischen. In der deutschen Sagenerzählung ist in Brunhildnur das Gefühl verletzten Stolzes übrig geblieben, und diese Verletzung an einen Streitum eine eitle Etikettenfrage, den Streit um den Vortritt oder ähnliches angeknüpft. Hätteman das Gefühl für das Tragische in dem Verhältnis Siegfrieds zu Brunhild je gehabt, eswäre nicht verwischt, sondern vertieft, wie es mit dem tragischen Konflikt des Rüdigergeschehen ist.gid odio
Daher wird man schwerlich die Doppelbeziehung Siegfrieds zu Brunhild und zuKrimhild, ferner die Erwerbung Brunhilds seitens Siegfrieds für einen anderen Mann alsursprüngliches Element des Siegfriedmythus ansehen dürfen. Vielmehr wurde der imMythus an Brunhild geknüpfte Held bei der Vereinigung von Sage und Mythus zum Gattender Krimhild, und um ihn nach der Seite der Brunhild frei zu machen, erhielt diese aus derReihe der historischen Sagenfiguren einen Mann in dem vornehmsten der Könige, in Gunther.Dann bleiben als alte Züge des Siegfriedmythus nur die folgenden übrig: bu
1. Drachenkampf, 2. Hortgewinn, 3. Gewinn der Brunhild, 4. Ermordung Sieg-frieds durch eine oder mehrere Personen, von denen der Hauptbeteiligte in nordischerÜberlieferung Gutpormr, in deutscher Hagano Hagen heisst.
-
Die Gestalt Hagens fehlt in keiner Darstellung der Nibelungensage, wohl aber inden geschichtlichen Überlieferungen. Denn vollkommen haltlos ist Heinzels Vermutung,er sei der sagenhafte Vertreter des historischen Aëtius; als Begründung giebt er Sitzgsber.Wien. Akad. 1885 S. 672: 1. Hagen und Aëtius seien beide einmal als Geiseln bei denHunnen gewesen, 2. des Aëtius Sohn Corpeto habe sich gleichfalls als Geisel bei denHunnen aufgehalten und ein Sohn Hagens werde bei Attila in der Sage erwähnt, 3. Aëtiussei von Valentinian III. ermordet und von einigen barbarischen Glossar ::: zum Glossareintrag barbarischen Soldaten blutig gerächt,Hagen werde durch Attila ermordet und von seinem Sohne gerächt. Lässt man sichdurch derartige entfernte Ähnlichkeiten in den Schicksalen zweier Personen unter absolutverschiedenen Verhältnissen zur Gleichsetzung beider verführen und von einer solchennicht einmal durch den offenliegenden Gegensatz der Interessengruppen abhalten, denenbeide Personen angehören( Aëtius den Feinden der Burgunden, Hagen den Burgundenselbst), nun so verfährt man eben nicht methodisch. In der deutschen Sagengestaltist Hagen Siegfrieds Mörder, sein in der deutschen Sage fest gewordener grimmer Charakter,seine Abkunft von einem Alben( vgl. Thdrksg. Kap. 169), seine blutlose graue Gesichts-farbe, sein noch im Tode lachendes Herz sind Züge, von denen wenigstens die Alben-abkunft zweifellos religiös- mythischen Charakter trägt, während die übrigen der Zugehörig-
-