Der Gott außer Funktion
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gefällten Baume grünt ein anderer, und auch für das Tier tritt die Gattungein. Bei den sichtbaren, fühlbaren Göttern mag also der Ursprung dieserMythen liegen, die allesamt aitiologisch sein mußten, von denen sich dieüber die Eklipsen der Sonne und die Mondphasen noch heute nicht nur beisogenannten Wilden finden.
Keineswegs soll hier für die animistische Theorie eine Lanze gebrochenwerden, aber die Tatsache, daß ein als ,, göttlich" empfundenes Wesen ein-fach zu sein oder zu wirken aufhört oder außer Funktion tritt, muß aufden urzeitlichen Menschen einen ähnlichen Eindruck gemacht haben, wieauf den Intellektuellen zu der Zeit der höchsten und mannigfachsten Ent-wicklung seiner Mythologie die Erkenntnis, daß der Macht der Götter schonwegen ihrer großen Zahl Grenzen gesetzt sind, die, wenn ein Gleich-gewichtszustand herrschen soll, nicht überschritten werden dürfen.
In dem Bhāgavata- Māhātmya, einem spätern Anhängsel des Bhāgavata-Purāṇa, erzählt Narada( G. A. Grierson in dem Journal of the RoyalAsiatic Society, 1911, 800 f.; R. Garbe, Indien und das Christentum, 1914,274 f.), wie er ganz Indien durchwandert habe, ohne die Rechtschaffenheitfinden zu können. Endlich stößt er an dem Ufer der Yamunā auf zwei imSterben liegende Greise und eine sie beklagende junge Frau; diese ant-wortet ihm auf seine Frage, wer sie sei: ,, Ich bin Bhakti( die Gottesliebe),und das sind meine Söhne Jñāna( Erkenntnis) und Vairagya( Begierde-losigkeit), und sie sind unter der Wucht der jetzigen Zeit alt undgebrechlich geworden; auch ich war schon an meinen Gliedern von Ketzernverstümmelt und der Schwäche verfallen, aber in dem Vrnda- Walde habeich mich erholt und bin wieder jung und schön geworden." Und sie fragt,warum nicht auch ihre Söhne wieder jung geworden seien, und Nāradaantwortet, Erkenntnis und Begierdelosigkeit hätten alt bleiben müssen,weil es niemand mehr gebe, der von ihnen etwas wissen will.
Jñāna und Vairagya sind eben außer Funktion gesetzt auf dieselbeWeise, wie die Treue, das Maß und die Chariten bei Theognis( 1135 f.), dervon den Gottheiten nur noch Elpis auf Erden weilen läßt, gleich der Bhaktides Inders. In seinem Kommentar zu Theognis, freilich nicht zu dieserStelle, teilt Melanthon( XIX, 77; s. auch Wander, vo. Treue, nº 38, 49, 72,76, 84) eine Inschrift mit, die er in Frankfurt unter dem Bilde einer Jung-frau Glossar ::: zum Glossareintrag frau, die einen Kranz aus Jelängerjelieber flicht, gefunden hat:
Je länger je lieber ich bin allein,
denn trew und warheit ist worden klein,
Melanthon, V, 447f. XX 5Ebstorfen Ihr nº 34( 94)
Mantins 238To linger jo man ik bin erllain,der Brun und warheit ist werden klein( If. klan).
und eine Inschrift auf einem Hause in Oldersum( Ostfriesland) vom Jahre1580 lautet( K. Euling, Das Priamel, 1905, 265; s. Wander, vo. Wahrheit, France, I got: Wandernº 143, aber auch nº 239, 240, vo. Gerechtigkeit, nº 28, 29, vo. Glaube, 1010, I, 16972° 35nº 35 u. s. w.):
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