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Volkskunde( 1925-1931)
27341. Unter dem etwa zu engen Titel Märchen des Mittel-alters vereinigt Wesselski¹ 66 Proben aus der internationalen Lite-ratur des 13.- 15. Jhds. Neben den Gesta Romanorum, Dolopathos,Caesarius von Heisterbach, Jacobus von Vitry, Romulus, allerhandExempel- und Predigtsammlungen sind auch Sercambi, die Novelle An-tiche, die Islendzk Aeventyri, Toldoth Jeschu, Fabliaux, Konrad Dewerund viele anonyme Stücke, z. T. auch Unediertes vertreten.' Märchen'im strengen Wortsinn wird man keineswegs alle Stücke bezeichnendürfen, da sie teils der Legende, teils der Sage, dem Exemplum oderanderen„ Einfachen Formen"( vgl. dazu Jolles, unten§ 48) bzw. derKunstform der Novelle angehören. Für den Forscher wichtig ist dieausführliche Einleitung, die z. T. gegen Aarne einen neuen Weg derKlassifikation von Motiven( ,, Mythenmotive, Gemeinschaftsmotive, Kul-turmotive) einschlägt und für die Novelle charakteristisch findet dieVerbindung von Gemeinschafts- und Kulturmotiven, für das Märchendie von Gemeinschafts- und Mythenmotiven. Auch auf die Diskussionüber Naumanns Primitive Glossar ::: zum Glossareintrag Primitive Gemeinschaftskultur( vgl. oben Bd. 22, 321 ff.)sei hingewiesen. Die Polemik gegen die finnische Forschungsmethode( vgl. dazu Krohns Buch§ 4) ist zwar temperamentvoll, aber einseitig,( vgl. Andersons Antwort Hess. Bl. f. Volksk. 1929, 208 ff.), insofern sieden Wert der mündlichen Tradition m. E. unterschätzt. Richtig istnur, daßdie Finnen den literarhistorischen Standpunkt mitunter zu leicht nahmen.In der Betonung der Notwendigkeit, Literarhistorie und Volkstraditionzu verbinden, stimme ich Anderson natürlich ganz zu.[ Vgl. jetzt aberdas neue Buch Wesselskis, unten§ 42 a.] Der Forscher wird vor allemdankbar sein für den gelehrten Anhang von über 100 Seiten; die An-merkungen und Parallelnachweise weiten sich nicht selten zu motiv-geschichtlichen Monographien aus. Auch der Altphilologe findet dades öfteren unmittelbar Einschlägiges, so S. 187 zur Intrigue in PlautusMiles gloriosus; S. 237 über Glaukos- Polyeidos.
Zu S. 94 bzw. 221 wäre schon auf die Melampodie zu verweisen, wo demMelampus die Kenntnis der Tiersprache den bevorstehenden Einsturz des Hausesverrät( Pherekydes fr. 33 Jacoby, vgl. auch meine Abhandlung Fabel, Are-talogie, Novelle, Heidelb. Sitz.- Ber. 1930/31. VII 36). Zu Nr. 57( dankbarerLöwe und Kaiser) ist jetzt aus meinen Studien zu Martial über diesen Typusmancherlei zu gewinnen. Zu Nr. 50( abgehauener, schief angesetzter Kopf) vgl.meine Heilungswunder 81 ff., ein Buch, das Wesselski ja S. 207 und 218 fürandere Dinge nennt.
42. Obwohl nicht ,, Märchen" behandelnd, darf ich hier das Buch vonSpies doch anschließen, wegen der vielen Übereinstimmungen mit den
1 A.Wesselski Märchen des Mittelalters. Berlin 1925, Stubenrauch. XXIII, 272 S.20. Spies Türkische Volksbücher. Ein Beitrag zur vergleichenden Märchen-kunde( Form und Geist Bd. XII). Leipzig 1929, H. Eichblatt. 138 S.Archiv für Religionswissenschaft XXIX
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