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Otto Weinreich
25. Marzell¹, der beste Kenner des auf unsere Pflanzenwelt bezüg-lichen Volksglaubens, gibt eine spezielle Darstellung der Heilpflanzen.Die Anordnung ist von der Botanik her bestimmt, die Betrachtung führthistorische und volkskundliche Gesichtspunkte durch, insofern jeweilsdie antiken Zeugnisse herangezogen werden, dann die der mittelalter-lichen Kräuterbücher, und daran sich der heutige Volksglaube anschließt.Die Abbildungen stammen größtenteils aus den mittelalterlichen Kräuter-büchern, teils aus dem berühmten Wiener Dioskuridescodex. Schade, daßdas Register nur die Pflanzennamen gibt, aber die sonstige Masse vonVolksglauben und abergläubischem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, die das Buch birgt, nicht
erschließt.
26. Indem ich an Hovorkas Arbeiten über Vormedizin, Urmedizin undVolksmedizin( vgl. oben Bd. 28 S. 368 f.) nur erinnere, schließe ich kurz nochzwei veterinärmedizinische Abhandlungen von Froehner an, die sich mit Vieh-verhexung und Hunds wut bzw. ihrer Ätiologie und den magischen Mittelndagegen beschäftigen. Beide berücksichtigen neben dem heutigen Volksglaubenauch antike und mittelalterliche Vorstellungen. Daß Roscher, dessen Arbeitüber die Kynanthropie der sonst doch recht zitierfreudige Autor ein Gutteilseiner antiken Kenntnisse verdanken wird, nur einmal( S. 79) beiläufig undohne Werktitel zitiert wird, ist unbillig.
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27. Wertvolles Material für volksmedizinische Ätiologie undTherapeutik hat aus Gerichtsakten und mündlicher Erkundung Hell-wig gesammelt, dessen Arbeiten auf den Grenzgebieten von Kriminalistikund Volkskunde ja bekannt sein werden( vgl. z. B. oben Bd. 12, 46 ff. und 18,287 ff.). Wie der Gerichtsarzt und der Richter wird auch der Volkskundler vondiesen lehrreichen Beispielen von Teufels-, Hexen-, Vampyrglauben, all den Sym-pathiekuren und Krankheitsübertragungen auf Bäume, Tiere, Menschen, vonden Fällen von Leichenschändung, Körperverletzung und selbst Mord zwecksGewinnung von Talismanen, von Sodomie als Heilzauber u. dgl. Kenntnis
nehmen.
IX. VOLKSLIED. VOLKSRÄTSEL
28. Die bei uns so rege Volksliedforschung wird den Beitrag desHolländers Brouwer begrüßen, der in einer splendid gedruckten Disser-tation die Betrachtung auf das deutsche, französische, belgische und hollän-
1 H. Marzell Unsere Heilpflanzen, ihre Geschichte und ihre Stellung in derVolkskunde. Ethnobotanische Streifzüge. Freiburg i. Br. 1922, Fisher. XV, 240 S.mit 38 Abb.
2 H. Froehner Aberglaube in der Ätiologie, Magisch- Mystisches in der Pro-phylaxis und Therapie der Hundswut. Ein Beitrag zur Geschichte der Lyssa(= Abhandlungen aus der Geschichte der Veterinärmedizin IV). Von Hexenund Viehverzauberung( ebd. VII). Leipzig 1925, Richter. 38, 28 S.
3 A. Hellwig Die Bedeutung des kriminellen Aberglaubens für die gericht-liche Medizin(= Beiträge zur forensischen Medizin II Heft 2-6). Berlin 1919,Adler- Verlag.
4 C. Brouwer Das Volkslied in Deutschland, Frankreich, Belgien und Holland.Untersuchungen über die Auffassung des Begriffes; über die traditionellen
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