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Volkskunde
(1925-1931)
Entstehung
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Volkskunde( 1925-1931)

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23. Besonders lebhaft ist bei den Finnen der Glaube an den dä-monistischen Ursprung der Krankheiten, wie Manninen¹zeigt. Bald sind es die Totenseelen, bald Erd-, Wald- oder Wasser-geister, die im Wind und Sturm einherziehenden Mächte, das Feuer-völkchen, allerlei Haus- und Badstuben- sowie sonstige Spezialgeister,und natürlich die eigentlichen Krankheitsdämonen, die die verschieden-sten Leiden verursachen. Insbesondere gilt Besessenheit, Geisteskrank-heit, Epilepsie, Hexenschuß als ihr Werk. Angesteckt werden beruht aufdem ,, angreifen" die Schadenhand der Heroen und Dämonen ist jaauch der Antike wohlbekannt.

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Manninen baut mit der bei der finnischen Schule gewohnten Gründ-lichkeit auf einem einzigartig reichen Materiale auf: den wohlgeordnetenhs. Sammlungen der Finnischen Literaturgesellschaft und auf der ganzeneinschlägigen Literatur( das Quellenverzeichnis umfaßt über 20 klein-gedruckte Seiten). So kann er auch die ethnischen Besonderheiten klarherausarbeiten; in den Anmerkungen( S. 208-226) finden sich zahl-reiche Verweise auf außerfinnisches Parallelmaterial. Über entsprechendeVorstellungen bei den Litauern vgl. Mansikka, oben§ 20.

24. Seit 15 Jahren sammelt Hempler2 in Ost- und Westpreußeneinschließlich Kujawiens deutsche und slawische Volksüberlieferungenund Bräuche, insbesondere solche, die sich auf Naturkunde undHeilkunde beziehen. Aus diesem Material und der einschlägigen Spe-zialliteratur gibt er zahlreiche Proben, in denen er es unter psycholo-gischer Fragestellung betrachtet, geschult an Lévi Bruhl, Werner u. a.,die primitives Glossar ::: zum Glossareintrag  primitives und volkstümliches Denken in seiner Eigengesetzlichkeitverstehen lehrten. Abgesehen von dem, was wir aus seiner Arbeit fürHeilglauben und-magie gewinnen, sei hingewiesen auf die temperament-volle Attaque gegen die Überschätzung der historischen Volkssage inder Jugendpädagogik sowie auf die richtige Erkenntnis, daß( mindestensim Weichselland) Aberglaube und Spukgeschichten dem Volke viel be-deutungsvoller sind als die Sage, für die der Verfasser doch auch wiedereine Lanze einlegt, wenn er verlangt, daß die heut schon umlaufendenSagen vom Teufel im gespenstischen Auto( vgl. dazu unten§ 29) undvon Totengeistern auf spukenden Motorrädern alles Anrecht haben, eben-falls als ,, echte" Sage zu gelten( S. 106).

1 I. Manninen Die dämonistischen Krankheiten im finnischen Volksaberglauben.Vergleichende volksmedizinische Untersuchung(= FFCommunications vol. XIIno. 45). Helsinki 1922, Suomalainen Tiedeakatemia. 253 S.

2 F. Hempler Psychologie des Volksglaubens insbesondere der volkstümlichenNatur- und Heilkunde des Weichsellandes(= Einzelschriften der HistorischenKommission für ost- und westpreußische Landesforschung IV) Königsberg i. Pr.1930, Kommissionsverlag Gräfe und Unzer. 112 S.