Ereignis und Erinnerung
Nicht die langsam ablaufende Ge-schichte der sozialen Verhältnisse, sonderndas konkrete Ereignis prägt sich in diepopuläre Erinnerung ein. Schlachten, Frie-densschlüsse, Aufstände und Revolutionensind die Themen der Bilderwelt. Ihre Dar-stellung war bis ins 19. Jahrhundert nichtauf dokumentarische Werke beschränkt.Sie schmückte auch Gegenstände des täg-lichen Bedarfs wie Möbel, Schützenschei-ben, Haustextilien oder Pfeifenköpfe.
Mit dem wachsenden Interesse derMedien am Zeitgeschehen kündigte sichauch in der Erfahrung von Geschichte dieModerne an. Bilder gesellten sich zu hi-storischen Nippes und machten die Ereig-nisse reproduzierbar. So wurden in derbürgerlichen Revolution von 1848 Litho-graphien zu massenhaft begehrten Zeug-nissen des Geschehens. Und schon in derGründerzeit, wie später im Ersten Welt-krieg, erreichte konfektioniertes patrioti-sches Spielzeug und Kunstgewerbe dieBürger in Stadt und Land.
Person und Erinnerung
Das kollektive Gedächtnis neigt da-zu, die Erfahrung von Geschichte mit derErinnerung an Personen zu verknüpfen. Siegeben den zeitlichen Bezugsrahmen vorund stehen im Wissen des Volkes symbo-lisch für historische Ereignisse oder Ver-hältnisse. Eine derartige Marke in derpopulären Erfahrung von Geschichtlichkeitwaren etwa die napoleonischen Kriege,welche vereinfachend mit der PersonBonapartes verknüpft wurden. Was langezurücklag, galt nunmehr im 19. und bis ins20. Jahrhundert als„ vor" oder„ älter alsNapoleon".
Überhaupt liegt in der Zeit nach derFranzösischen Revolution, mit ihren fürdie weitere Entwicklung Mitteleuropasweichenstellenden Ereignissen, der Anfangeiner breiteren politischen Öffentlichkeit:Kaiser Franz, die Tiroler Freiheitskämpferunter Andreas Hofer, aber sogar Metter-nich und später Radetzky waren populäreHelden, deren Konterfeis dank hausin-dustrieller Bilderproduktion und neuerVervielfältigungstechniken ungekannteVerbreitung fanden.
HLAS STEON W
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RekrutenkrugMajolika, Westslowakei
dat. 1723