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Ausstellung Volksschauspiel im Burgenland : Katalog
Entstehung
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6. DAS FREILICHTSPIEL

DAS PASSIONSSPIEL VON SANKT MARGA-RETHEN

6.1. ENTSTEHNUNG DES PASSIONSSPIELES IMALLGEMEINEN

Ursprung und letzte Großform des geistlichen Volksschauspielesist die Darstellung des Leidens und des Sterbens Christi, alsodas" Passions-" bzw." Leiden- Christi- Spiel".

Ausgehend von der dramatischen Osterfeier im Rahmen derLiturgie, waren seine Träger durch lange Zeit Klöster undStifte.

Zuerst lateinisch abgefaßt, werden ab dem 13. Jahrhundertvolkssprachliche Szenen und Lieder eingefügt. In der Blütezeitder Passionsspiele, im ausgehenden Mittelalter, dauerten sieoft mehrere Tage und fanden im Freien unter Einbeziehung derörtlichen Gegebenheiten statt. Ende des Mittelalters zerfälltdas Spiel als" Gesamtmysterium" immer mehr, bis es von derGegenreformation im Barock neue Impulse erhielt. Erst die Auf-klärung vermochte es, das Passionsspiel fast völlig zu ver-drängen.

Das östliche Österreich war nie eine Landschaft der großenPassionen, wie etwa Tirol.

In ÖDENBURG haben die Jesuiten 1664 allerdings eine lateini-sche" Passio Domini" aufgeführt, und der Benediktiner PaterRemigius Sztachovics schreibt in der Vorrede zu seinemBuch" Braut- Sprüche und Braut- Lieder auf dem Heideboden inUngarn"( Wien, 1867):

" Bald werdet ihr auch Eure alten vollständigen geist-lichen Gespiele in den Händen haben, als das ganze Weih-nachtsspiel samt allen Euren Weihnachtliedern, und denSterngesang mit Frag und Antworten, das letzte Gericht,den reichen Prasser, die vier letzten Dinge, und wannmöglich auch das schöne Passionsspiel".

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